Die umstrittene Dresdner Rede des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke hat für die sächsische AfD finanzielle Folgen. Nach dem Auftritt Höckes Mitte Januar, bei dem er eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert hatte, seien mehrere Großspender abgesprungen, bestätigte der stellvertretende Landesvorsitzende Thomas Hartung. "Insgesamt kostet uns diese Veranstaltung deutlich über 100.000 Euro", hatte Generalsekretär Uwe Wurlitzer nach einem Bericht der Lausitzer Rundschau gesagt.

Laut dem sächsischen AfD-Schatzmeister Carsten Hütter ist die Summe "absolut realistisch". Das Geld fehle nun im Etat für den Bundestagswahlkampf, sagte er. Firmen, die seine Partei bislang unterstützten, hätten nach der Höcke-Rede einen "klaren Rechtsruck" beklagt. "Und die Unternehmer nehmen kein Blatt vor den Mund. Die sagen: 'Da machen wir nicht mehr mit.'" Der Ausgabenplan für den Bundestagswahlkampf müsse deshalb nun "komplett überarbeitet werden", sagte Hütter. Bislang hatte die sächsische AfD mit einem Etat von 600.000 Euro geplant.

Höcke hatte im Januar mit Bezug auf das Holocaustmahnmal in Berlin gesagt: "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." Er erntete damals empörte Reaktionen, die er später als "bösartige und bewusst verleumdende Interpretationen" zurückwies.

Der Bundesvorstand der AfD entschied, ein Parteiausschlussverfahren gegen den thüringischen Landeschef einzuleiten. Die AfD-Politiker Alexander Gauland und André Poggenburg kritisieren die Entscheidung und werfen der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry vor, Höcke aus taktischen Gründen loswerden zu wollen. Auf einem Thüringer Landesparteitag in Arnstadt bat Höcke die Parteibasis vergangenes Wochenende um Entschuldigung. "Ich habe ein großes, ein wichtiges Thema leider in einer Bierzeltrede vergeigt", sagte er.

In den vergangenen Wochen hat die AfD Rückschläge in der Wählergunst hinnehmen müssen. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag von stern und RTL würde die Partei derzeit acht Prozent der Stimmen erhalten. Ende Dezember hatte sie noch bei zwölf Prozent gelegen.