Sind derartige Zentren praktisch möglich?

Zumindest für Libyen erscheint das zweifelhaft. "Die Situation in Libyen ist viel dramatischer als in der Türkei", sagt Bast. Es existiere dort keine Stelle, die nach menschenrechtlich akzeptablen Standards Lager organisieren könnten. Vielmehr komme es in allen Einrichtungen, die libysche Milizen oder Behörden betreiben zu schweren Menschenrechtsverletzungen. So zu tun, als könne der UNHCR dort nach dem Vorbild vom Libanon oder Jordanien Kontingentflüchtlinge auswählen, sei fern jeder Realität.

Was plant die EU langfristig?

Während die Unterstützung für Flüchtlingslager in Libyen oder anderen afrikanischen Ländern quasi sofort umgesetzt werden kann, werde derzeit in Brüssel auch über neue Richtlinien für die Asylpolitik verhandelt, die den rechtlichen Rahmen für die nächsten fünf bis zehn Jahre bilden sollten, sagt Thym.

Bisher könnten Flüchtlinge aus der EU ohne Prüfung ihres Asylantrags nur in sichere Drittstaaten zurückgeschickt werden. Bevor man den EU-Türkei-Flüchtlingsdeal abschließen konnte, musste deswegen auch die Türkei zu einem solchen sicheren Drittstaat erklärt werden, beziehungsweise zusichern, dass sie im Umgang mit Flüchtlingen bestimmte Kriterien einhält. Nun gehe es darum zu prüfen, ob eine Zurückweisung auch in Staaten möglich sei, die zwar nicht als ganze als sicher gelten könnten, in denen es aber bestimmte sichere Zonen gebe. Wenn es gelinge, solche Bereiche etwa in Ägypten, Tunesien oder anderen Ländern einzurichten, könnten auch Flüchtlinge, die Europa bereits erreicht haben oder zum Beispiel auf Schiffen mit europäischer Hoheitsgewalt in Berührung gekommen sind, analog zum EU-Türkei-Pakt dorthin zurückgeschickt werden. Für Libyen sei dies in naher Zukunft allerdings kaum vorstellbar.