Andererseits, so klagen Industrievertreter, ist das Geschäft mit den Streitkräften in Deutschland zunehmend komplizierter geworden: Wo früher immerhin ein ganzes Jahr für die Vertragsverhandlungen nötig waren, komme jetzt im Schnitt noch mal ein Jahr juristische Prüfungen durch die Anwälte beider Seiten dazu.

Mit anderen Worten: Geld allein macht nicht glücklich, auch die Bundeswehr nicht. Zumal selbst mehr Geld ein Grundproblem der Truppe nicht über Nacht lösen würde: Die Streitkräfte finden zu wenig Freiwillige, vor allem in gesuchten technischen Fachrichtungen. Das liegt weniger am Sold, als am mangelnden Standing, das Soldaten in der Gesellschaft haben. Auch das führt dazu, dass gut ausgebildete Kräfte lieber in die Wirtschaft gehen, als sich bei der Bundeswehr zu verpflichten. Trotz aller Anstrengungen der Ministerin und teurer Werbekampagnen.

Das bedeutet allerdings keineswegs, dass die Bundeswehr schon genügend Mittel für all ihre Aufgaben hat, im Inland wie vor allem bei den zahlreichen Auslandseinsätzen. Auf den immer wieder aufgeschobenen Bestelllisten stehen lauter Dinge, die die Truppe benötigt, die aber nicht so aufregend sind wie ein neues Kampfflugzeug, neue Kriegsschiffe oder Schützenpanzer. Zum Beispiel Nachtsichtbrillen. Oder neue digitale Funkgeräte, deren Beschaffung langsam in Gang kommt, aber weit hinter den Bedürfnissen der Truppe hinterherhinkt. Oder Munition, die häufig fehlt.

Die Bundeswehr ist kein beliebtes Thema

Alles das wäre eine intensive Debatte in Deutschland wert, unter der Fragestellung: Was für Streitkräfte wollen wir und wofür, wie rüsten wir sie anständig aus – und was sind wir bereit dafür auszugeben? Dazu kommt die angestrebte engere Verzahnung mit den europäischen Verbündeten, zum Beispiel in Form gemeinsamer oder abgestimmter Rüstungsprojekte, aber auch gemeinsamer Brigaden – bis irgendwann womöglich hin zu einer gemeinsamen europäischen Armee.

Doch es sieht nicht aus, als wenn das in Deutschland ein größeres Thema würde. Eher droht es wieder einmal im anlaufenden Wahlkampf unterzugehen. Verteidigung ist nicht sexy, erst recht wenn der Staat Geld dafür ausgeben soll und dann möglicherweise an anderer Stelle sparen muss – da mögen die Krisen um uns herum noch so bedrohlich und zahlreich sein.

Lohnenswert wäre auch, darüber zu diskutieren, ob das mit den zwei Prozent überhaupt so sinnvoll ist und ob man nicht eher mehr Geld in Krisenprävention, friedliche Konfliktlösung und Entwicklungshilfe stecken sollte. Dann könnte man sich vielleicht hinterher Gelder für weitere Bundeswehreinsätze im Ausland sparen. Aber auch das würde viel Geld kosten.

Sicherheit gibt es eben nicht umsonst. Trump hin oder her.