SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat an die Union appelliert, für mehr Gerechtigkeit im Lohnsektor zu sorgen. "Wenn ein Manager 200-mal so viel verdient wie ein Angestellter, verletzt das das Gerechtigkeitsgefühl der Leute. Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen", sagte Schulz der Passauer Neuen Presse. Er befürworte eine gesetzliche Begrenzung von Managerbezügen: "Wir brauchen eine gesetzliche Regelung, die Gehaltsexzessen in den Vorstandsetagen der Dax-Konzerne einen Riegel vorschiebt." Das erwarteten auch viele Mittelständler, die keine Lust hätten, für die Übertreibungen in einzelnen Konzernen in Mithaftung genommen zu werden, sagte Schulz.

Die SPD hatte Pläne vorgestellt, die etwa die steuerliche Absetzbarkeit der Managergehälter von Aktiengesellschaften und vergleichbaren Kapitalgesellschaften bei 500.000 Euro im Jahr deckeln. Die Union will dagegen die Festlegung der Managergehälter "im Einzelnen" der Aktionärshauptversammlung eines Unternehmens übertragen. "Wir haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, CDU und CSU müssen jetzt Farbe bekennen", sagte Schulz dem Blatt.

Arbeitgeber kritisieren Schulz

Vertreter aus dem Arbeitgeberlager kritisierten unterdessen weitere Reformvorschläge von Martin Schulz. "Offenbar will die SPD einen Wahlkampf mit Emotionen führen", sagte die Chefin des Chemie-Arbeitgeberverbandes BAVC, Margret Suckale, der Rheinischen Post. "Soziale Gerechtigkeit ist natürlich ein wichtiges Thema, aber Martin Schulz hat zuletzt das falsche Bild einer zerrissenen Gesellschaft gezeichnet." Als Beispiel nannte sie Schulz' Äußerungen zu "40 Prozent Befristungen". Der Durchschnitt befristeter Arbeitsverhältnisse in der Industrie liege gerade einmal bei etwa zehn Prozent, sagte Suckale.

Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger bezeichnete die von Schulz ins Spiel gebrachte Verlängerung des Arbeitslosengeldes als "Salto rückwärts". Schulz selbst habe im Februar 2014 gesagt, dass Deutschland dank der Agenda 2010 wirtschaftlich gut dastehe. "Und jetzt, da es ihm in den Wahlkampf passt, zeichnet er ein gänzlich anderes Bild unseres Landes", kritisierte Dulger. "Dieses Deutschland ist das beste, was wir je hatten", sagte Dulger. Ängste vor sozialem Abstieg zu schüren, sei abstrus. Er hoffe, dass sich der Wahlkampf versachliche.

Schulz plädiert vor allem für Korrekturen an der Agenda 2010: Er will das Arbeitslosengeld I länger auszahlen als bisher und hat dabei vor allem die Arbeitslosen ab 50 Jahren im Visier. Sie haben es nach einem Jobverlust oft schwer, wieder Arbeit zu finden. Detaillierte Vorschläge dazu hat Schulz bislang nicht vorgelegt. Zudem will die SPD die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse reduzieren.