Die Sozialdemokraten profitieren von Martin Schulz: Seit der ehemalige EU-Parlamentschef von den Führungsgremien zum Kanzlerkandidaten und neuen Parteichef ausgerufen wurde, steigen die Umfragewerte der SPD deutlich. Nach einer ersten Erhebung des Instituts Insa sieht nun auch Forsa die Partei bei 31 Prozent. In dieser jüngsten, im Auftrag von Stern und RTL erstellten Umfrage landet die SPD drei Prozentpunkte hinter der Union (34 Prozent), bei Insa war sie sogar stärkste Kraft geworden. Diese Zahlen lassen Schulz' Anspruch, selbst Kanzler werden zu wollen, im Bereich des Möglichen erscheinen.  

Forsa-Chef Manfred Güllner bewertete den schwindenden Vorsprung der Union allerdings zurückhaltend. Eine so entschiedene Wechselstimmung wie 1998, als Gerhard Schröder (SPD) den CDU-Kanzler Helmut Kohl ablöste, sei momentan noch nicht auszumachen, sagte Güllner. 
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Auch bei der Kanzlerpräferenz gewann Schulz dazu. Er liegt nun mit der Unionskandidatin Angela Merkel (CDU) gleichauf. Wenn der Regierungschef direkt gewählt werden könnte, würden sich 37 Prozent der Wahlberechtigten für Schulz entscheiden, das sind vier Punkte mehr als in der Vorwoche. Ebenfalls 37 Prozent erhält Angela Merkel, die fünf Punkte verloren hat.

Mehr Arbeiter, Angestellte und vor allem Beamte

Schulz versammelt zudem nicht nur 78 Prozent der eigenen Anhänger hinter sich. In der Kanzlerfrage würden auch mehr Anhänger der Grünen und der Linken für ihn stimmen als für Merkel. Ebenso mehr Arbeiter, Angestellte und vor allem Beamte.

Bei der Einschätzung der politischen Kompetenz – welche Partei mit den Problemen in Deutschland am besten fertig wird – gewinnt die SPD zwar zwei Punkte hinzu. Doch sie liegt mit 13 Prozent immer noch weit unter dem Wert von 31 Prozent für die Union.

Die Grünen und die Linke liegen in der Umfrage jeweils bei acht Prozent, mit der SPD zusammen ergibt das 47 Prozent. Damit wird eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken wahrscheinlicher, sicher möglich wäre sie den Demoskopen zufolge aber erst ab 48 Prozent. 

Die AfD verlor weiter und liegt jetzt bei zehn Prozent. Die FDP erreicht fünf Prozent – ihr Einzug in den Bundestag ist damit weiter unsicher.

Die SPD-Spitze hatte Schulz kürzlich als Kanzlerkandidaten nominiert, zudem soll er die Parteiführung übernehmen. SPD-Chef Sigmar Gabriel verzichtete auf ein Antreten gegen Merkel, weil er Schulz die besseren Chancen zubilligte. Der bisherige Wirtschaftsminister ist mittlerweile ins Auswärtige Amt gewechselt. Den Posten des Vizekanzlers behielt er aber inne.

Welche potenziellen Wähler der SPD-Kanzlerkandidat anspricht, können Sie im Text "König der Umfragen" nachlesen.