Mehrere AfD-Redner distanzierten sich in ihren Reden von Gewalt. Und das meinten sie sicher ehrlich. Doch dass Extremismus nicht erst bei körperlicher Gewalt anfängt, wie Patzelt und Kemmesies vom BKA ihnen zu erklären versuchten, das haben sie und die gesamte AfD einfach nicht verstanden – oder sie wollten es nicht verstehen.
Immer wieder jubelten die Besucher im Saal verlässlich an Stellen, die auch bei einem NPD-Parteitag das Publikum begeistert hätten.
Der Freiburger Staatsrechtler Dietrich Murswiek etwa stellte "Hundertausende junger Männer aus gewaltaffinen ... Kulturen" unter Generalverdacht. Dafür erntete er ebenso stehende Ovationen wie für die Aussage, die Begrenzung der Migration sei "heute eine besonders wichtige" Maßnahme der "Extremismusprävention". Seine Rede wirkte, als sei Rassismus eine eigentlich ganz natürliche Reaktion auf Zuwanderung.
Der Trierer Theologieprofessor Wolfgang Ockenfels, vom Moderator als "national-katholisch" vorgestellt, wurde für seine Aussage beklatscht, es sei ja "eine grauenhafte Zumutung, den Koran zu lesen". Auf die Kritik katholischer Würdenträger an der AfD angesprochen, riet er, man möge solche Bischöfe künftig doch als "Herr Hohlkopf" anreden. Brandender Applaus.
In der Raucherecke draußen vor dem Hoteleingang konnte man einen älteren Herrn – die Tagungsgäste waren fast ausschließlich Männer – von seinem Vater, von der Ostfront und von Volksdeutschen reden hören. Der Herr forderte, man müsse heutzutage Courage zeigen. Drinnen lauschte der Saal kopfnickend dem dänischen Psychologen Nicolai Sennels, der aus Befragungen jugendlicher, muslimischer Gefängnisinsassen abgeleitet haben will, dem Islam sei ein allgemein hohes Gewalt- und Aggressionspotenzial eigen.
Spiegel vorgehalten
Als letzte redete die kurdischstämmige Deutsche Leyla Bilge. Sie hat sich als Aktivistin einen Namen gemacht, die Hilfsgüter in Flüchtlingslager in Syrien und im Irak bringt. Inzwischen ist sie in der AfD und redete sich bei dem Kongress in Rage. Sie sprach von "unkontrollierbaren muslimischen jungen Männern", die in Deutschland "rauben, vergewaltigen und morden" und empfahl, "die Muslime rauszuschmeißen". Das Publikum feierte sie. Irgendwann kam sie dann auch bei Höckes Lieblingsthema an und fand, dass die Deutschen selbstbewusster sein müssten und dass es "jetzt langsam reicht" mit dem kritischen Blick auf die deutsche Geschichte.
An dieser Stelle ging der Moderator ganz schnell ans Pult. Obwohl Bilges Redezeit noch gar nicht abgelaufen war, bat er sie, doch bitte zum Schluss zu kommen.
"Jede Partei sollte sich hin und wieder den Spiegel vorhalten lassen", lobte Georg Pazderski vom moderaten AfD-Flügel an einer Stelle des Kongresses. Doch sein Plan, die AfD könne durch so einen Kongress gemäßigt wirken, ist gründlich schiefgegangen. Kaum jemand im Saal machte den Eindruck, als hätte er ein Problem mit dem Bild, das er im Spiegel sah.
Hinweis: In einer früheren Fassung des Artikels hatten wir die Aussagen von Professor Dietrich Murswiek stärker zusammengefasst wiedergegeben. Auf diese ursprüngliche Textfassung beziehen einige Beiträge im Kommentarbereich. Die Redaktion, 21.3.2017
Mehrere AfD-Redner distanzierten sich in ihren Reden von Gewalt. Und das meinten sie sicher ehrlich. Doch dass Extremismus nicht erst bei körperlicher Gewalt anfängt, wie Patzelt und Kemmesies vom BKA ihnen zu erklären versuchten, das haben sie und die gesamte AfD einfach nicht verstanden – oder sie wollten es nicht verstehen.
Immer wieder jubelten die Besucher im Saal verlässlich an Stellen, die auch bei einem NPD-Parteitag das Publikum begeistert hätten.
Der Freiburger Staatsrechtler Dietrich Murswiek etwa stellte "Hundertausende junger Männer aus gewaltaffinen ... Kulturen" unter Generalverdacht. Dafür erntete er ebenso stehende Ovationen wie für die Aussage, die Begrenzung der Migration sei "heute eine besonders wichtige" Maßnahme der "Extremismusprävention". Seine Rede wirkte, als sei Rassismus eine eigentlich ganz natürliche Reaktion auf Zuwanderung.