ZEIT ONLINE: Frau Kramp-Karrenbauer, am 26. März wird im Saarland gewählt. In den Umfragen waren Sie als Ministerpräsidentin lange unangefochten. Jetzt hat sich der Vorsprung der CDU zur SPD von zwölf auf drei Prozentpunkte verringert. Was ist schiefgelaufen?

Annegret Kramp-Karrenbauer: Seit der Nominierung von Martin Schulz hat die SPD deutschlandweit dazugewonnen. Das ist auch im Saarland nicht anders, zumal die Kampagne der saarländischen SPD sehr stark auf Schulz setzt. Dies zeigt aber nur, dass die Partei landespolitisch nicht so sehr viel zu bieten hat. Wer mit meiner Arbeit als Ministerpräsidentin zufrieden ist und wer will, dass ich sie fortsetze, der muss CDU wählen. Sonst kommt Rot-Rot mit Oskar Lafontaine.

ZEIT ONLINE: Während Schulz im saarländischen Landtagswahlkampf sehr präsent ist, macht Merkel sich rar. Ist die Kanzlerin für Sie diesmal keine Unterstützung?

Kramp-Karrenbauer: Bei der Landtagswahl hat die Landespolitik absoluten Vorrang. Deswegen wollen wir vor allem unsere eigenen Kandidaten und Kandidatinnen nach vorne stellen. Von Anfang an war vorgesehen, dass Angela Merkel zweimal auftreten wird – so oft wie im Landtagswahlkampf 2012.

ZEIT ONLINE: Merkel ist jetzt zwölf Jahre Kanzlerin und wird von manchen als müde wahrgenommen. Kann sie die Massen überhaupt wieder begeistern, und wie?

Kramp-Karrenbauer: Es hat schon oft Situationen gegeben, in denen man Angela Merkel unterschätzt und sie früh abgeschrieben hat. Das war damals nicht gerechtfertigt und ist es auch jetzt nicht. Was wir bei der SPD erleben, ist ja vor allem eine Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit, also der Agenda 2010. Uns, der Union, geht es um die Zukunft. Die entscheidende Herausforderung besteht nicht darin, Menschen länger im Arbeitslosengeldbezug zu halten, sondern ihnen Chancen in einem veränderten Arbeitsmarkt zu sichern. Es geht darum, wie wir uns dabei in Europa und international positionieren. Wir werden zeigen, dass Angela Merkel und die CDU da die besseren Antworten haben.

ZEIT ONLINE: Die Union hat sich in den vergangenen Monaten über eine Obergrenze für Flüchtlinge zerstritten. Wie will sie den Konflikt nach der Wahl lösen, wenn sie das bis jetzt nicht geschafft hat?

Kramp-Karrenbauer: Wenn man von einem Versäumnis reden will, dann liegt es darin, dass wir als Union zuletzt mehr das Trennende herausgestellt haben und zu wenig, wie viel uns verbindet. Das werden wir jetzt mit dem gemeinsamen Wahlprogramm ändern.

Keine Obergrenze im Wahlprogramm

ZEIT ONLINE: Potenzielle CDU-Wähler, die Merkels Flüchtlingspolitik gut fanden, wissen aber weiter nicht, ob sich am Ende doch Horst Seehofer mit seiner Obergrenze durchsetzt. Schließlich droht er, dass er keinen Koalitionsvertrag ohne Obergrenze unterschreibt.

Kramp-Karrenbauer: Angela Merkel hat klar gesagt: Die Obergrenze wird in das gemeinsame Wahlprogramm nicht hineinkommen. Das ist auch die Linie der CDU.

ZEIT ONLINE: Derzeit wird darüber gestritten, ob türkische Politiker in Deutschland Wahlkampfauftritte abhalten dürfen sollten. Wie sehen Sie das?

Kramp-Karrenbauer: Ich wünsche mir, dass wir in Europa zu einer gemeinsamen Regelung kommen, dass man verzichtet, seinen Wahlkampf und damit seine inneren Konflikte in Nachbarländer zu tragen. Eine solche Regelung ist dringlicher denn je notwendig. Das zeigen die Vorgänge in den Niederlanden. Wenn zunehmend deutlich wird, dass dadurch der innere Frieden bei uns oder in anderen europäischen Staaten gefährdet ist, dann gehören Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker, die genau dies verursachen, verboten.

ZEIT ONLINE: Einige Unionspolitiker fordern in diesem Zusammenhang auch, die doppelte Staatsbürgerschaft wieder aufzugeben und zum Optionsmodell zurückzukehren. Unterstützen Sie das?

Kramp-Karrenbauer: Diese Frage steht derzeit überhaupt nicht zur Debatte.

Fakten gegen Gefühle

ZEIT ONLINE: Die Union will Martin Schulz entzaubern, indem sie sich mit seinen Vorschlägen hart auseinandersetzt. Bei der Agenda 2010 hat das aber bisher nicht geholfen.

Kramp-Karrenbauer: Es ist immer schwer, mit einem nüchternen Faktencheck gegen einen Vorschlag anzukommen, der wie im Fall der SPD klar auf ein Gefühl setzt. Wir haben eine durchaus gute Situation für Ältere auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb ist Qualifizierung wichtig, um Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmern zu verhindern. Der Vorschlag der SPD lädt hingegen die Arbeitgeber dazu ein, ihre Mitarbeiter mithilfe des verlängerten Arbeitslosengeldes nach Hause zu schicken. Das ist genau der falsche Weg.

ZEIT ONLINE: Sie sind also für Qualifizierung, aber gegen eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes?

Kramp-Karrenbauer: Ich bin für eine Qualifizierung, die Arbeitslosigkeit verhindert.