Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat vorgeschlagen, den Alterspräsidenten des Bundestages künftig nach parlamentarischen Dienstjahren zu bestimmen. Damit soll gewährleistet sein, dass die erste Sitzung des neu gewählten Bundestages von einem erfahrenen Abgeordneten geführt werde, heißt es in der offiziellen Begründung an den Ältestenrat des Parlaments.

Der Alterspräsident leitet die erste Sitzung im Bundestag nach einer Wahl, bis ein neuer Bundestagspräsident gewählt wurde. Wenn der Änderungsvorschlag der Geschäftsordnung von Lammert im Parlament mehrheitlich beschlossen wird, könnte dies einen Alterspräsidenten der Alternative für Deutschland (AfD) verhindern.

In der aktuellen Geschäftsordnung wird der Alterspräsident nach Lebensjahren bestimmt. Der niedersächsische AfD-Politiker Wilhelm von Gottberg, der in wenigen Tagen 77 Jahre alt wird, hätte somit aussichtsreiche Chancen Alterspräsident zu werden. Er war früher CDU-Mitglied und bis 2012 Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen. Von Gottberg hat sich in der Vergangenheit nicht eindeutig von einem den Holocaust relativierenden Kommentar distanziert sowie von Polen und Tschechien eine Entschuldigung für die "völkermordartigen Vertreibungsverbrechen" an den Deutschen verlangt.

Dienstältester Parlamentarier könnte hingegen der dann 75 Jahre alte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sein, der seit 1972 im Bundestag ist. Nach Lammerts Vorschlag würden die Lebensjahre nur entscheidend sein, wenn zwei Parlamentarier dieselben Dienstjahre vorweisen können.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann kündigte an, den Plan zu unterstützen. "Das ist ein guter Vorschlag", sagte Oppermann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Man brauche Erfahrung in diesem Amt. "Dies gilt unabhängig von einem möglichen Alterspräsidenten der AfD."

Die AfD kritisierte den Vorschlag von Lammert. "Dass alte Traditionen einfach nur aus Angst vor der AfD über Bord geworfen werden, steht gerade Lammert nicht gut zu Gesicht", sagte AfD-Vorstandsmitglied Paul Hampel.