Die Bundesregierung hat eine gemischte Zwischenbilanz der im Mai 2015 beschlossenen Quote für den Anteil von Frauen in Führungspositionen gezogen. Alle börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen, die 2016 neue Aufsichtsratsposten zu besetzen hatten, haben sich demnach an die Quote von 30 Prozent gehalten, teilten das Frauen- und das Justizministerium mit.

"Man sieht, es funktioniert", sagte Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD). In den Unternehmen und in der Gesellschaft habe es einen Kulturwandel gegeben. Allerdings bewege sich in den Vorständen der Unternehmen noch zu wenig. Dort seien Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert. Die Ministerin forderte für mehr Unternehmen als bisher eine verbindliche Frauenquote. "Da, wo sich Unternehmen selbst die Zielvorgaben setzen können, sagen tatsächlich welche: null", sagte die SPD-Politikerin im ARD-Morgenmagazin. "Die provozieren, dass wir uns in der nächsten Legislaturperiode dieses Gesetz noch mal vorknöpfen und sagen: Dann muss auch die harte Quote für diese Unternehmen gelten."

Schwesig wolle sich für mehr Mut in der Gleichstellungspolitik einsetzen. Diese Politik dürfe nicht – wie einige Verantwortliche es versuchten – als "Genderwahn" diffamiert werden, sagte die Ministerin. Junge Familien wollten "Erwerbs- und Sorgearbeit" wie Kindererziehung oder Pflege der Eltern partnerschaftlich verteilen. Die Politik müsse dafür die Voraussetzungen schaffen. Sie wolle "die Regierungszeit bis zum letzten Tag" nutzen, um Verbesserungen für Frauen auf den Weg zu bringen.

Nur drei von zehn Unternehmen von Frauen gegründet

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt kritisierte die Bundesregierung in den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Die große Koalition backt beim Thema Gleichstellungspolitik nur kleine Brötchen." Maßnahmen griffen zu kurz, die Gerechtigkeit bleibe auf der Strecke. Die Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl bemängelte etwa, dass die Frauenquote nur für 101 Unternehmen gelte. Andere "Baustellen" wie das Ehegattensplitting, Mitversicherung oder Minijobs blieben gänzlich unberührt.

Nach den Worten von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) werden derzeit nur drei von zehn Unternehmen in Deutschland von Frauen gegründet. Auch die Selbstständigenquote sei bei Frauen viel geringer als bei Männern (sieben Prozent im Vergleich zu 14). Das gelte besonders im digitalen Bereich. "Wenn Deutschland künftig aber nicht den Anschluss verlieren will, brauchen wir starke Unternehmerinnen – auch in der IT-Branche", so Zypries.

Das Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen verpflichtet rund 100 Unternehmen seit Anfang 2016, bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. 3.500 weitere Firmen müssen sich zumindest verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen setzen. Für die wichtigeren Vorstandsposten gibt es keine Frauenquote.

Familienpolitik - “Wir respektieren alle Familienmodelle” Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, SPD, sieht zwischen den Parteien deutliche Unterschiede: Die SPD unterstütze alle, die Kinder haben – im Gegensatz zur Union und der AfD. Das sagte sie am Rande einer ZEIT-Konferenz. © Foto: ZEIT