Vor dem Koalitionsgipfel am Mittwochabend machen die Sozialdemokraten Druck beim Streitthema "Ehe für alle". "Künftig soll die Ehe auch gleichgeschlechtlichen Paaren offenstehen", heißt es laut einem Bericht der Funke Mediengruppe in dem Gesetzentwurf, den die SPD-Bundestagsfraktion beschließen will, um ihn im Koalitionsausschuss mit der Union zu besprechen. 

"Ich hoffe, CDU und CSU springen endlich über ihren Schatten", sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, der den Schritt bereits angekündigt hatte. Die Gesetzesinitiative spiegele den gesellschaftlichen Wandel und die Tatsache wider, dass die meisten Deutschen die Homo-Ehe mittlerweile befürworten. "Bei der Ehe darf es nicht auf die Geschlechtszugehörigkeit ankommen, sondern allein darauf, ob die Partner sich dauerhaft binden und füreinander Verantwortung übernehmen wollen", sagte Oppermann weiter. Das sei für ihn ein modernes Eheverständnis.

Union blockiert Adoptionen durch homosexuelle Paare

Seit 2001 könne Lesben und Schwule in Deutschland eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, die der heterosexuellen Ehe allerdings nicht komplett gleichgestellt ist – etwa beim Adoptionsrecht. SPD, Grüne, Linkspartei und FDP fordern eine völlige Gleichstellung, weite Teile der Union sind dagegen. "Die Ehe besteht aus Mann und Frau. Davon geht auch das Grundgesetz aus", sagte kürzlich Volker Kauder (CDU), der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag. Die CDU werde das Thema im Wahlkampf meiden. "Gleichgeschlechtliche Paare werden nicht diskriminiert, weil sie ja eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen können", sagte Kauder weiter. "Die gibt es in anderen Ländern nicht."

Die katholische Kirche ist ebenfalls gegen die Ehe für alle und beharrt auf einem klaren Unterschied zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft. "Die deutschen Bischöfe sprechen sich gegen eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus",  sagte Erzbischof Heiner Koch, Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie der Bischofskonferenz, der Passauer Neuen Presse. Auch Papst Franziskus hatte kürzlich bekräftigt, "dass Partnerschaften von Personen gleichen Geschlechts nicht einfach mit der Ehe gleichgestellt werden können, weil ihnen die Weitergabe des Lebens verschlossen ist, die die Zukunft der Gesellschaft sichert".

Viele Länder weltweit haben in den vergangenen Jahren die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet, darunter Spanien, die Benelux-Staaten, Skandinavien, Irland, Großbritannien, die USA, Kanada, Brasilien und Argentinien.

Martin Schulz - Höheres Bafög und Ehe für alle Der SPD-Kanzlerkandidat, Martin Schulz, spricht sich im Interview mit ZEIT Campus ONLINE für eine Erhöhung der Studienförderung aus. Auch zur Rentenfinanzierung äußerte er sich. © Foto: Andreas Prost/ZEIT ONLINE