Die neue US-Regierung drängt ihre Nato-Partner darauf, mehr Geld für das Verteidigungsbündnis auszugeben. In der Bundesregierung gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte bei seinem Besuch in Estland, es sei "völlig unrealistisch", dass Deutschland innerhalb von zehn Jahren 30 Milliarden Euro zusätzlich in den deutschen Verteidigungshaushalt packe. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) betonte dagegen in Lettland, Deutschland stehe zur 2-Prozent-Vereinbarung der Nato.

Gabriel hatte gesagt: "Es gibt kein apodiktisches Zwei-Prozent-Ziel." Von der Leyen warnte vor einem Verlust an "Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit", wenn nun Deutschland von gemeinsamen Beschlüssen aller Nato-Partner aus den Jahren 2002 und 2014 abrücke. Die Beschlüsse sehen vor, dass Nato-Mitgliedländer zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben.

Deutschland habe seine Verteidigungsausgaben zwar etwas erhöht. "Aber wir haben noch eine ganze Strecke zu gehen, bis wir das Zwei-Prozent-Ziel erreichen", sagte von der Leyen. "Wir brauchen es zur Modernisierung der Bundeswehr", fügte sie hinzu. "Niemand würde verstehen, wenn ein wirtschaftliches, starkes Land wie Deutschland seine Verpflichtungen nicht erfüllen, während andere unter großen Anstrengungen (...) zu ihren internationalen Verpflichtungen stehen", warnte sie. 

Von der Leyen forderte, dass Deutschland aber auch die Selbstverpflichtung erfüllen müsse, 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung für Entwicklungshilfe auszugeben.