Deutschland und die Türkei wollen trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten im Gespräch bleiben. Es gebe dazu keine Alternative, sagte Außenminister Sigmar Gabriel nach einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu in Berlin. "Wir waren uns einig, dass keine der beiden Seiten ein Interesse daran hat, die deutsch-türkischen Beziehungen weiterhin zu schädigen", so Gabriel. Man strebe einen "sachlichen und respektvollen Umgang" miteinander an. Es gehe nun darum, "Schritt für Schritt" zu einem freundschaftlichen Verhältnis zurückzukehren.

Gabriel und Çavuşoğlu hatten sich in einem Berliner Hotel zum Frühstück getroffen. Das 45-minütige Gespräch sei "gut und freundlich im Umgang", aber "hart und kontrovers in der Sache" gewesen, sagte der deutsche Außenminister, der im Anschluss alleine vor die Kameras trat. Eine gemeinsame Pressekonferenz gab es nicht. 

Der türkische Außenminister kommentierte das Treffen erst bei einem anschließenden Besuch auf der Tourismusmesse ITB in Berlin. Dort sagte Çavuşoğlu, er habe mit Gabriel auch über einen möglichen Wahlkampfauftritt von Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Deutschland gesprochen. Es sei dabei um Veranstaltungsorte gegangen, sagte Çavuşoğlu. Davon war auf Gabriels Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen nicht die Rede gewesen. Çavuşoğlu sagte, Deutschland habe alle nötigen Sicherheitsmaßnahmen für eine Kundgebung des türkischen Präsidenten zugesagt, sollte er nach Deutschland reisen. Einen Termin oder Ort nannte er nicht.

Es war der erste persönliche Kontakt von Vertretern beider Regierungen seit der umstrittenen Inhaftierung des deutschtürkischen Journalisten Deniz Yücel Anfang vergangener Woche in Istanbul und dem Streit der teilweise untersagten Wahlkampfauftritte türkischer Regierungspolitiker in Deutschland.

"Nazi-Vergleiche verbieten sich"

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und auch Çavuşoğlu hatten die Absagen mehrfach als "Nazi-Methoden" bezeichnet. Bei einem Auftritt in Hamburg hatte Çavuşoğlu am Dienstagabend die Stimmung noch einmal angeheizt: Deutschland verfolge eine "systematische Gegnerschaft zur Türkei", sagte Çavuşoğlu. Türken würden in Deutschland "systematisch unterdrückt".

Gabriel wies diese Wortwahl nach eigenen Angaben in dem Gespräch mit Çavuşoğlu zurück. Er habe "deutlich gemacht, dass sich Nazi-Vergleiche verbieten", sagte Gabriel. Es gebe Grenzen, die man nicht überschreiten dürfe. "Dies ist das freieste Land, das auf deutschem Boden jemals existiert hat, wir sind eines der freiesten demokratischen Länder der Welt", sagte Gabriel. Er habe im Gespräch mit seinem türkischen Amtskollegen außerdem klargemacht, dass eine unbefristete Untersuchungshaft für Deniz Yücel falsch sei. Deutschland wolle konsularischen Zugang zu dem deutschtürkischen Journalisten haben. Das habe Erdoğan Merkel zugesagt, sagte Gabriel.