Leicht vergessen wird über das ganze Hickhack um die Auftritte allerdings, worum es in dem Referendum geht: die Umwandlung der Türkei von einer bis vor einiger Zeit leidlich funktionierenden Demokratie in einen Erdoğan-Staat, in dem er als Präsident alles zu sagen hat, es kaum noch Gewaltenteilung, keine Meinungsfreiheit und keinen Rechtsstaat mehr gibt. Nur noch einen unkontrollierbaren Herrscher.

Am 16. April entscheidet sich deshalb auch, ob die Türkei irgendwann zu Europa gehören könnte. Für ein despotisches, ultranationalistisches Neosultanat ist in der EU kein Platz.

Merkel und die übrigen EU-Staats- und Regierungschefs sollten es daher vorher klar aussprechen: Ihr könnt bei uns so viel Wahlkampf machen, wie ihr wollt, solange ihr euch an die Gesetze haltet und keinen Krawall macht. Aber wenn sich die Mehrheit der Türken (ohne Wahlfälschung!) für die Autokratie entscheidet, dann kann es keine weiteren Beitrittsgespräche mehr geben. Und dann werden auch keine Zahlungen aus Brüssel mehr fließen.

Das würde den Türken, auch denen in Deutschland und den übrigen EU-Staaten, verdeutlichen, dass es bei dem Referendum nicht nur um Erdoğan und seine Machtgelüste geht. Sondern auch um den Platz, den die Türkei künftig in der Welt einnehmen will: Ob das Land ein Teil des Westens und Partner Europas und der Nato sein will, mit freiheitlichen, demokratischen Werten. Oder ob es vollends zu einer weitgehend isolierten orientalischen Despotie wird.

Den Türken und Türkischstämmigen in Deutschland aber sollte Merkel ebenso klar sagen: Ihr gehört zu uns, ihr seid kein Eigentum von Erdoğan! Wer jedoch hier von Meinungsfreiheit und Rechtsstaat profitiert, muss sich auch zu den freiheitlichen Werten bekennen und die achten. Und sollte nicht mit dafür sorgen, dass sie in der früheren Heimat abgeschafft werden.