AfD-Chefin Frauke Petry will die Diskussion über die strategische Ausrichtung ihrer Partei weiter vorantreiben. Dass die Delegierten auf dem Parteitag am Wochenende in Köln nicht dazu bereit gewesen seien, bedeute nicht, dass eine Richtungsentscheidung nicht getroffen werde, sagte sie im ZDF-Morgenmagazin. Sie kündigte an, sich dafür einzusetzen, dass über die Frage auf allen Ebenen diskutiert und eine Entscheidung bald gefällt wird.

Am Wochenende war Petry auf dem Delegiertentreffen mit ihrem sogenannten Zukunftsantrag daran gescheitert, ihre Partei auf einen realpolitischen Kurs zu bringen – und sich so auch gegen die Fundamentalopposition zu stellen, wie es etwa die AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt praktiziert. Die Delegierten hatten es jedoch abgelehnt, sich mit dem von Petry formulierten Antrag überhaupt zu beschäftigen, er gelangte noch nicht einmal auf die Tagesordnung. Dies gilt allerdings auch für einen Antrag des Bremer Landesverbands bezüglich eines Stopps des Parteiausschlussverfahrens gegen den Thüringer Nationalisten Björn Höcke. Somit mussten auch die nationalkonservativen innerparteilichen Gegner Petrys eine Niederlage einstecken.

Ursache für das Scheitern Petrys war unter anderem, dass der als Fürsprecher vorgesehene rheinland-pfälzische Landeschef Uwe Junge am Samstag im entscheidenden Moment nicht im Saal war, um sein Plädoyer für Petrys Antrag zu halten. Junge warb im Anschluss unter den führenden Parteikräften dafür, ersatzweise am Sonntag eine Resolution ähnlichen Inhalts auf die Tagesordnung zu bringen und beschließen zu lassen, scheiterte aber an Formalien. Nach Angaben aus dem Parteivorstand ließen Satzung und Geschäftsordnung nicht zu, die einmal beschlossene Tagesordnung in der angestrebten Weise zu erweitern.

Regionalkonferenzen oder Onlineumfrage

Hinzu kam, dass auch AfD-Spitzenpolitiker wie der Bundesvorstand Alexander Gauland nicht das Wort ergriffen. Dabei hatte Petrys parteiinterner Widersacher vor dem Parteitag mehrfach gesagt, mit leichten Änderungen könne auch er Petrys Antrag zustimmen. Petry wiederum sagte, sie sei bereit, mit Gauland die notwendigen Änderungen abzustimmen. Doch Gauland schwieg. Im Verlauf des Parteitages gaben selbst Unterstützer Petrys zu, dass sie ihre Initiative besser hätte abstimmen müssen. Von handwerklichen Fehlern im Antrag war die Rede. So gab es in der Führung so gut wie niemanden, der diesen Antrag wirklich wollte.  Auch von Delegierten war kein Bedauern darüber zu vernehmen, dass das Thema nicht in Köln behandelt wurde.

Die Parteivorsitzende wagt nun also einen neuen Anlauf, um der AfD eine inhaltliche Debatte aufzuzwingen. Dass dafür aber gleich ein neuer Parteitag angesetzt wird, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Der nächste Parteitag ist erst für nach der Bundestagswahl geplant; im November sollen die Delegierten turnusgemäß einen neuen Vorstand wählen. So bleibt Petry noch die Möglichkeit, Regionalkonferenzen anzusetzen, um die Mitglieder von ihrem Kurs zu überzeugen. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass die Parteiführung eine Onlineumfrage unter den Mitgliedern durchführt. Dieser Weg hat derzeit die größten Chancen, hieß es auch in Köln von Vorstandsmitgliedern.

Nationalistische Parteitagsrede

Doch die inhaltliche Ausrichtung der Partei dürfte bereits vor dem Wahlparteitag im Herbst erneut Thema werden. Petry könnte vom Verlauf dieser Diskussion abhängig machen, ob sie überhaupt noch einmal für den Parteivorsitz antritt. Bisher lässt sie diese Frage offen und beteuerte lediglich, dass sie auch nach dem Kölner Parteitag Bundeschefin bleibe. Sie war jedoch nicht nur durch die Nichtbehandlung ihres Strategieantrages geschwächt worden, in einer von nationalistischen Tönen geprägten Parteitagsrede hatte ihr Co-Chef Jörg Meuthen die von ihr angestrebte Richtungsentscheidung als Ergebnis einer "komplett trügerischen Wahrnehmung" bezeichnet. Zudem kursierte ein Bericht, wonach Petrys Unterstützer sich im Fall weiterer Niederlagen von der Partei abspalten wollen. Der Bericht wurde in Köln in Einzelgesprächen aber scharf dementiert.

Petry dürfte gemäß derzeitigen Umfragen zur Wahl im September in den Bundestag einziehen. Dass sie als Parteivorsitzende auch Fraktionschefin wird, ist nach aktuellem Stand äußerst unwahrscheinlich. Denn im Wahlkampf hat Petry, die im Frühjahr ihr fünftes Kind erwartet, nun keine führende Funktion. Zum Wahlkampfspitzenteam kürten die Delegierten in Köln ihren Widersacher, den Höcke-Unterstützer Gauland und die bisher wenig bekannte baden-württembergische Unternehmensberaterin Alice Weidel.