Am Ende war es keine Überraschung mehr: Horst Seehofer wolle sowohl Parteichef bleiben als auch erneut als Ministerpräsident kandidieren, verlautete am Sonntagabend aus CSU-Kreisen und damit noch vor der für Montag geplanten offiziellen Verkündigung vor den Parteigremien. Auch wenn Seehofer in den vergangenen Wochen ein großes Geheimnis aus dieser Entscheidung gemacht hatte: Dass sie am Ende so ausfallen würde, damit war allgemein gerechnet worden. Der von ihm schon vor fünf Jahren für 2018 angekündigte Rückzug aus der Politik fällt erst einmal aus.

Seehofer, so könnte man sagen, hat damit sein Scheitern eingestanden. Schließlich hatte er selbst es stets als sein großes Ziel bezeichnet, in der CSU einen geordneten Generationenübergang hinzubekommen. Eine "bayerische Welturaufführung" hatte er versprochen. Doch daraus wird vorerst nichts. Der Nachfolger von Seehofer heißt vielmehr Seehofer.

Ist Seehofer das neue Paradebeispiel dafür, dass Politiker es eben doch nicht schaffen, auf dem Höhepunkt ihrer Macht freiwillig aus dem Amt zu scheiden? Dass sie sich am Ende immer für unersetzbar halten und solange weitermachen, bis die Wähler oder ihre Partei ihnen klarmachen, dass es jetzt doch langsam mal genug ist?

Ja und nein. Mangelndes Selbstbewusstsein ist gewiss nicht Seehofers Problem, doch Selbstüberschätzung ist zumindest nicht der einzige Grund, dass der 67-Jährige nun noch mal in die Verlängerung geht. Als weiteres wichtiges Motiv wird oft seine Abneigung gegen den bayerischen Finanzminister Markus Söder genannt, der unter allen potenziellen Nachfolgekandidaten derzeit mit Abstand der Stärkste ist.

Seehofer halte Söder für "charakterlich ungeeignet", heißt es. Bevor er ihm das Feld überlasse, mache er lieber selber weiter. Seehofer selbst behauptet allerdings, dass er Söder nicht möge, sei "ein Medienprodukt".

Nicht nur Seehofer traut sich selbst am meisten zu

Richtig ist daran wohl, dass die tatsächliche oder erfundene Abneigung gegen Söder nicht ausschlaggebend gewesen sein dürfte. Der Dreh- und Angelpunkt des Seehofer'schen Denkens ist vielmehr das Ziel, bei der Landtagswahl im kommenden Jahr erneut die absolute Mehrheit für die CSU zu erreichen.

Als Seehofers historische Leistung gilt es schließlich, die Partei 2013 – nachdem sie 2008 schon einmal auf einen Koalitionspartner angewiesen war – zu alter Herrlichkeit zurückgeführt zu haben. 2018 gilt es nun zu beweisen, dass diese Entwicklung von Dauer ist. Nur dann könnte Seehofer sich wirklich als Retter seiner Partei fühlen.

Die Verteidigung der absoluten Mehrheit traut derzeit aber eben nicht nur Seehofer ausschließlich sich selbst zu. Es sind auch die Altvorderen seiner Partei, die ihn in dieser Haltung bestärken: von Theo Waigel über Alois Glück bis hin zu seinen alten Rivalen Erwin Huber und Günther Beckstein. Selbst Edmund Stoiber, der treueste Verbündete seines früheren Generalsekretärs Söder, soll Seehofer zum Weitermachen ermuntert haben. Und auch die aktiven Spitzenleute der CSU haben sich schon vor Seehofers Entscheidung ähnlich geäußert. Angst vor einem Aufstand muss Seehofer derzeit wahrlich nicht haben.