Die Anerkennungsquote für Flüchtlinge aus Afghanistan ist einem Medienbericht zufolge weiter gesunken. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres habe die bereinigte Schutzquote 47,9 Prozent betragen, berichtet die Passauer Neue Presse unter Berufung auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion.

Demnach wurde im Januar und Februar über 27.639 Asylanträge inhaltlich entschieden, 14.403 davon seien abgelehnt worden. Im vergangenen Jahr hätten noch 60,5 Prozent der afghanischen Asylsuchenden in Deutschland Schutz erhalten, 2015 noch 77,6 Prozent. Warum die Schutzquote gesunken ist, teilte das Bundesinnenministerium laut Bericht nicht mit. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte es 2015 zu einem seiner Ziele erklärt, die Anerkennungsquote von Afghanen zu senken.

Die Opposition kritisierte die Entwicklung. Dass die Anerkennungsquote sinke, obwohl sich die Sicherheitslage verschlechtere, sei "Resultat der politischen Vorgaben, die Abschiebungen nach Afghanistan zu verstärken und ein abschreckendes Signal auszusenden", sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke der Zeitung. Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Luise Amtsberg, sagte, die Abschiebungen nach Afghanistan seien "unverantwortlich".

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl sprach von einer "Entrechtung" afghanischer Flüchtlinge. "Das Bundesinnenministerium wischt die Faktenlage beiseite und flüchtet sich in die Mär von angeblich 'sicheren' Regionen", teilte die Organisation mit. Die individuellen Fluchtgründe von Afghanen würden in den Asylverfahren "in hohem Maße" missachtet.

Die Rückführung nach Afghanistan ist auch unter den Bundesländern umstritten. Das Auswärtige Amt und das Innenministerium lehnten zuletzt jedoch einen Abschiebestopp ab. Sie halten Abschiebungen in bestimmte Regionen Afghanistans für vertretbar. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte das Vorgehen erst kürzlich.

Am Montag steht nach Informationen es Bayerischen Flüchtlingsrats die fünfte Sammelabschiebung von Afghanen in ihre Heimat seit Dezember an. Bei den vergangenen vier Flügen wurden bisher insgesamt 92 Männer zurückgeflogen. Kenntnisse über den Verbleib der Abgeschobenen nach ihrer Rückkehr hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht.

In Afghanistan hat sich zuletzt der Konflikt zwischen Regierung und den radikalislamischen Taliban verschärft. Es gibt landesweit Gefechte und Anschläge. Am Freitag wurden mindestens 140 Soldaten bei der Attacke auf ein Militärcamp in der Provinz Balch getötet. Auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" verübt in Afghanistan verstärkt Anschläge.