Den Verdacht gibt es schon lange. Doch in dem Parteiausschlussantrag der AfD-Führung wird er nun zur Gewissheit erklärt. In dem dem Tagesspiegel vorliegenden Papier heißt es: "Der AG" – gemeint ist der Antragsgegner Björn Höcke – "hat unter dem Namen 'Landolf Ladig' in den NPD-Veröffentlichungen Volk in Bewegung und Eichsfeld-Stimme Artikel verfasst." Das birgt politischen Sprengstoff. Denn in diesen Artikeln lobte "Landolf Ladig" die rechtsextreme NPD nicht nur für ihre politischen Ideen. Er verherrlichte auch das NS-Regime.

Bereits 2015 verlangte der damalige AfD-Bundesvorstand unter dem später geschassten Bernd Lucke, Höcke möge eine eidesstattliche Versicherung zu mutmaßlichen NPD-Kontakten unterschreiben. Höcke weigerte sich. Er sagte damals: "Ich habe niemals unter einem Pseudonym für eine NPD-Zeitung geschrieben."

Doch im Antrag heißt es: Anhand der Indizien seien "vernünftige Zweifel daran, dass der Antragsgegner unter der Bezeichnung 'Landolf Ladig' veröffentlicht hat, nicht mehr möglich". Verfasst wurde das Papier vom Gelsenkirchener Rechtsanwalt Christian Bill im Auftrag des AfD-Bundesvorstandes. Petry gilt dabei als treibende Kraft hinter dem Ausschlussverfahren. Sie und Bundesschatzmeister Klaus Fohrmann sowie Beisitzer Julian Flak vertreten den Bundesvorstand in der Angelegenheit.

Als Beleg für Höckes angebliches Pseudonym verweist der Antrag unter anderem auf die Analysen des Soziologen Andreas Kemper, der Ende 2014 begonnen hatte, Höckes Reden und Texte zu analysieren. Er fand in Äußerungen des AfD-Politikers Höcke ungewöhnliche Begriffe wie "organische Marktwirtschaft", die zuvor im NPD-Magazin Eichsfeld-Stimme von "Landolf Ladig" benutzt wurden. "Ladig" und Höcke hätten vielfach "fast identische Formulierungen" verwendet.

Soziologe Kemper: "Unverblümt NS-verherrlichend"

Anfang 2016 bilanzierte Kemper: "Die faschistische Ideologie, die in Höckes Aussagen deutlich wird, wird in den 'Ladig'-Texten zugespitzt und ist unverblümt NS-verherrlichend." Mit Volk in Bewegung und Eichsfeld-Stimme habe sich "Ladig" 2011 und 2012 für Zeitschriften entschieden, die vom vorbestraften Neonazi und NPD-Kader Thorsten Heise herausgegeben wurden. Heise ist heute stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD und Landeschef in Thüringen. Er wohnt in einer Nachbargemeinde von Höckes Wohnort Bornhagen im Landkreis Eichsfeld. Anfang diesen Jahres fasste Kemper seine Recherchen auch in zwei Videos zusammen (hier und hier) – nun im Antrag empfohlen als "Nachweise (...), dass sich hinter Begriff 'Landolf Ladig' der AG versteckt".

Zur Begründung der Vorwürfe werden Aussagen des früheren thüringischen AfD-Chefs Matthias Wohlfahrt angeführt, der heute mit Höcke über Kreuz liegt. Wohlfahrt berichtet in einer dem Parteiausschlussantrag beigefügten Erklärung unter anderem über ein "geheimes Treffen" des früheren Südthüringer AfD-Kreischefs Heiko Bernardy mit Höcke.

Im Parteiausschlussantrag heißt es dazu: "Hier ist ein Gespräch geführt worden, in dem der AG (Höcke, d. Red.) Herrn Bernardy gegenüber unverblümt zugegeben hat, dass er Landolf Ladig ist. Herr Bernardy führte darüber hinaus noch aus, dass selbst dem kleinsten NPD-Funktionär die früheren Aktivitäten des AG kein Geheimnis seien." Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Höcke 2010 an einem Neonazi-Aufmarsch in Dresden teilgenommen hat.

Der Soziologe Kemper sieht den Landolf-Ladig-Vorwurf als den "letzten Joker" von Parteichefin Petry. "Ich habe immer gesagt: Diese Karte werde sie dann spielen, wenn sie keine andere Möglichkeit mehr hat." Er fügte hinzu: "Wenn die NPD quatscht, ist Höcke dran."