Erwartet hatte man eine ruhige Fernsehrunde mit dem sonst meist ziemlich cool auftretenden Kieler Regierungschef Torsten Albig und dem auch nicht gerade überschäumenden CDU-Spitzenkandidaten Daniel Günther. Schließlich verlief der Wahlkampf im nördlichsten Bundesland bisher ziemlich unaufgeregt. Doch lieferten die beiden am Dienstagabend in einer ehemaligen Gewerbehalle in Lübeck einen durchaus bissigen Schlagabtausch. Was auch an den Zuschauern lag.

Es war das erste Mal, dass Albig und Günther vor der Wahl am übernächsten Sonntag direkt aufeinandertrafen. Günther, dessen Partei nach den Umfragen nur knapp hinter der SPD liegt, ging gleich in die Offensive, Albig wirkte am Anfang etwas zurückhaltend. Aber das änderte sich bald.

Die Fragen stellte nicht der NDR-Moderator Andreas Cichowicz, sondern sie kamen von den Zuschauern, die im Rund um die beiden Kontrahenten saßen. Und die wollten es ziemlich genau wissen: Was die beiden denn gegen die Missstände und Bauschäden an den Schulen tun wollten? Wie sie Lage in den Kitas verbessern und die maroden Straßen in Schleswig-Holstein instandsetzen und ausbauen wollten? Und was tun für die Innere Sicherheit?

Einfach nur ihre Programmüberschriften runterbeten konnten Albig und Günther da nicht. Schließlich mussten sie potenzielle Wähler überzeugen.

Und so verlegten sie sich darauf, mit vielen Zahlen um sich zu hauen, was sie schon getan hätten (Albig) oder was sie tun wollten, wenn sie an die Regierung kämen oder blieben (beide). Und sich ansonsten wechselseitig Versäumnisse vorzuhalten – der CDU-Kandidat der in Kiel derzeit regierenden Koalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW), der SPD-Ministerpräsident der schwarz-gelben Vorgängerregierung.

Weil das aber offensichtlich nicht reichte, griffen sie auch schon mal zu härteren Werkzeugen. So betonte Albig, seine Regierung habe bei der Finanzierung der Schulen Kürzungen der CDU/FDP-Regierung zurückgenommen. "Wem glauben Sie mehr: dem, der den Brand gelegt hat, oder dem, der das Feuer gelöscht hat?", fragte er die Zuschauer mit forschem Blick auf seinen Gegenkandidaten.

Günther konterte, unter der jetzigen Regierung gebe es die höchsten Kita-Gebühren, die es je im Land gegeben habe, entgegen ihrem Versprechen, die Beiträge zu senken. Und sie habe 2,5 Milliarden Euro an Steuermehreinnahmen nicht genutzt, um mehr zu investieren.