Nur Stunden nach dem Angriff auf koptische Christen bei Kairo mit 28 Toten und 22 Verletzten hat Ägypten Luftangriffe im Nachbarland Libyen angeordnet. Präsident Abdel Fattah al-Sissi gab in einer Fernsehansprache bekannt, sein Militär habe Ausbildungszentren von Extremisten in Libyen angegriffen. Er nannte keine Einzelheiten. 

Ziel war nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena unter anderem das Hauptquartier des Schura-Rats der Mudschaheddin in der ostlibyschen Stadt Derna, die bis zum Sommer 2016 neben Sirte als Hochburg der Miliz "Islamischer Staat" (IS) in Libyen galt. Laut dem Sender Al-Arabiya gab es Todesopfer unter den Extremisten. Al Jazeera meldete unter Berufung auf Militärkreise, es habe in der Region insgesamt sechs Luftangriffe gegeben.

Al-Sissi: Trump soll Kampf gegen Terror anführen

In seiner Rede versprach Al-Sissi, dass Ägypten auch in Zukunft sämtliche Ausbildungsstützpunkte von Extremisten angreifen werde, die Anschläge in Ägypten verübten. Er appellierte an US-Präsident Donald Trump, den Kampf gegen den Terror anzuführen. Außerdem forderte er erneut die Bestrafung von Ländern, die Extremisten finanzierten, ausbildeten oder bewaffneten.

Der Anschlag auf koptische Christen hatte weltweit Bestürzung ausgelöst. Die Gruppe von Gläubigen war im Bus auf dem Weg ins Kloster St. Samuel südlich von Kairo, als sie von etwa zehn Angreifern mit automatischen Waffen beschossen wurden, wie ein Provinzgouverneur im Staatsfernsehen sagte. Die Angreifer konnten fliehen. Die Polizei riegelte die Umgebung mit Kontrollpunkten ab. Zu der Attacke bekannte sich zunächst niemand.

Trump verurteilt den Anschlag

Kurz nach Al-Sissis Rede veröffentlichte die US-Regierung eine Mitteilung, in der sie Ägypten Unterstützung zusicherte. "Amerika steht heute und immer an der Seite von Präsident Al-Sissi und dem ganzen ägyptischen Volk", hieß es. Das Blutvergießen der Christen müsse aufhören und alle, die die Mörder unterstützten, müssten bestraft werden.

Seit dem Sturz des frei gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Sommer 2013 hat Ägypten zahlreiche Anschläge erlebt. Mehrfach wurden koptische Christen zum Ziel. Sie machen etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus. Im April starben etwa bei Anschlägen auf zwei koptische Kirchen in Alexandria und Tanta mindestens 44 Menschen. Die Terrormiliz IS reklamierte die Taten für sich. Al-Sissi verhängte nach dem Anschlag einen dreimonatigen Ausnahmezustand.