SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat in einer Rede vor Anhängern mehr Investitionen des Staates gefordert, Steuerentlastungen wie von der Union versprochen, lehnte er ab. In der Berliner Parteizentrale, dem Willy-Brandt-Haus, bekräftigte er zudem den Leitgedanken seines Wahlkampfes, die soziale Gerechtigkeit: "Deutschland geht es gut, aber nicht allen Menschen in Deutschland geht es gut", sagte er. Seien 70-minütige Rede war der Auftakt zu einer Konferenz von rund 500 Parteifunktionären, die über die Strategie für den Bundestagswahlkampf beraten.

Die schlechtere Bezahlung von Frauen im Vergleich zu Männern in ähnlichen Positionen, der sogenannte Gender Pay Gap, bezeichnete Schulz als "eine der schlimmsten Demütigungen, die es in diesem Land gibt". Als Kanzler, so versprach er, werde er innerhalb der ersten 100 Tage gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchsetzen.

In seiner Rede kritisierte der Kandidat den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer für seine Forderung nach drastischen Steuersenkungen. "Ich weiß nicht, was bei dem wuchtig ist. Nein, ich bin für wuchtige Investitionen", sagte Schulz. Der Investitionsstau in Deutschland betrage 140 Milliarden Euro, allein für die Sanierung von Schulen würden 34 Milliarden Euro gebraucht.

Schulz verteidigte auch seine Strategie, durch das Land zu reisen und mit Menschen zu sprechen, statt große Wahlkampfreden zu halten. Dabei nehme er die Themen auf, die das Land beschäftigten. "Auf diesen Dörfern wo ich tingele, da sitzen die Leute. Und die sind mir wichtig", sagte Schulz.

Schulz forderte auch, auf europäischer Ebene stärker mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zusammenzuarbeiten. Stärkung heiße nicht, alles in Brüssel zu entscheiden, er wolle auch Kompetenzen "zurück delegieren". Europäisch geregelt werden müssten dagegen Herausforderungen, die sich lokal nicht meistern ließen: Klimawandel, Migration, organisierte Kriminalität, Außengrenzen sichern, offene Binnengrenzen und internationale Handelsbeziehungen.

Mit Bezug auf mögliche Flüchtlingskontingente in der Europäischen Union sagte Schulz, Solidarität sei keine Einbahnstraße. Er kündigte an, eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung werde Solidarität in der Bewältigung der Flüchtlingskrise mit den Finanzbeziehungen der EU-Mitglieder verknüpfen. Migration sei kein deutsches Problem.

Die von Trump wiederholt eingeforderte Steigerung der Rüstungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts lehnte Schulz ab. Europa sei ein Friedens- und kein Aufrüstungsprojekt. "Mit mir wird es stattdessen Rüstungsbegrenzung und mehr Abrüstung geben", sagte er in Berlin.