Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) tritt aus gesundheitlichen Gründen von allen Ämtern zurück. Er habe Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig als Nachfolgerin vorgeschlagen, teilten der SPD-Landesverband und die Staatskanzlei mit.

Erwin Sellering äußerte sich in einer schriftlichen Mitteilung: "Bei mir ist vor einigen Tagen völlig überraschend eine Lymphdrüsen-Krebserkrankung festgestellt worden, die umgehend eine massive Therapie erfordert." Er werde deshalb nicht mehr in der Lage sein, das Amt des Ministerpräsidenten so auszufüllen, wie das notwendig sei. Das entspreche nicht seinem Anspruch an sich selbst.

Sellering zog eine positive Bilanz seiner Amtszeit: "Das Land hat an Wirtschaftskraft gewonnen. Die Arbeitslosigkeit ist spürbar zurückgegangen." Man habe Verbesserungen für Familien und Kinder erzielt und weniger Schulden gemacht.

Erst am 13. Mai hatte die SPD Mecklenburg-Vorpommerns ihren Ministerpräsidenten Erwin Sellering als Parteichef im Amt bestätigt. Auf dem Landesparteitag in Rostock stimmten 79,8 Prozent der Delegierten für seine weitere Amtszeit. Der 67-Jährige führt die Landespartei seit 2007 und ist seit 2008 Regierungschef. Bei der Landtagswahl im September 2016 hatte der gebürtige Westfale die Sozialdemokraten trotz Stimmenverlusten zum Sieg geführt.

Die von Sellering als Nachfolgerin vorgeschlagene Manuela Schwesig leitete, bevor sie Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurde, unter ihm bereits von 2008 bis 2013 das Sozialministerium von Mecklenburg-Vorpommern und gehörte außerdem bis 2014 dem dortigen Landtag an. Seit 2009 ist sie eine der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD.

Würde Schwesig auf Sellering folgen, könnte die bisherige SPD-Generalsekretärin Katarina Barley als Familienministerin infrage kommen. Medienberichten zufolge gilt sie als Favoritin. Die SPD bräuchte dann eine neue Generalsekretärin oder einen neuen Generalsekretär. Wie die Saarbrücker Zeitung und auch die Deutsche Presse-Agentur berichten, soll dafür der Vorsitzende der NRW-Landesgruppe im Bundestag, Achim Post, vorgesehen sein. Eine offizielle Bestätigung steht allerdings derzeit noch aus.

Der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz äußerte zunächst seinen Respekt für die Entscheidung von Erwin Sellering. Er habe am Montag ein langes Gespräch mit dem Ministerpräsidenten geführt. Zurückzutreten sei Sellering nicht leichtgefallen. Schulz sagte: "Heute werden wir daran erinnert. Politik wird von Menschen gemacht und Menschen sind verletzlich." Seinem langjährigen Freund und dessen Angehörigen stehe nun eine schwere Prüfung bevor, für die er ihm alle Kraft wünsche. Aus Respekt vor der persönlichen Situation Sellerings kündigte Schulz an, sich zu den Nachfolgefragen erst zu einem "späteren Zeitpunkt" zu äußern.