Kanzlerin Angela Merkel hat der Türkei mit dem Abzug der deutschen Soldaten aus dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik gedroht. Sie reagierte damit darauf, dass Bundestagsabgeordneten der Besuch am Standort verboten worden war. 

Merkel sagte, sie werde im Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan am Rande des Nato-Gipfels "sehr deutlich machen", dass die Besuche "unabdingbar" seien, sagte Merkel. "Ansonsten müssen wir Incirlik verlassen."

Damit schwenkt die Kanzlerin auf die Position ihres Außenministers Sigmar Gabriel ein. Der hatte Merkel vorgeworfen, die Konfrontation mit der Türkei im Fall Incirlik zu scheuen.

Vor gut einer Woche hatte die türkische Regierung Bundestagsabgeordneten erneut den Besuch bei den rund 250 Bundeswehrsoldaten in Incirlik verweigert. Die deutschen Soldaten starten von dort aus im Auftrag der Anti-IS-Koalition mit Tornado-Jets zu Aufklärungsflügen über Syrien und dem Irak.

Außerdem hat die Bundeswehr ein Tankflugzeug auf dem türkischen Stützpunkt stationiert, das die Jets der beteiligten Nationen in der Luft mit Treibstoff versorgt. Die Bundesregierung prüft wegen der türkischen Blockade die Verlegung der deutschen Soldaten in ein anderes Land, etwa nach Jordanien.

Erdoğan hatte sich vor wenigen Tagen das erste Mal zu Spekulationen über einen möglichen Bundeswehrabzug aus Incirlik geäußert. "Zu uns hat bisher niemand gesagt, dass Deutschland seine Truppen abziehen möchte. Sollte das aber doch so sein, dann ist das kein Problem für die Türkei. Dann sagen wir eben auf Wiedersehen."

Zusätzlich belastet sind die deutsch-türkischen Beziehungen durch die jüngste Absage der türkischen Regierung an Bundestagsabgeordnete, die zu politischen Gesprächen nach Ankara, Diyarbakır und Istanbul reisen wollten.