Führende SPD-Politiker verschärfen in der Debatte um das Verhältnis zu den USA unter Präsident Donald Trump den Ton. Es sei "das Gebot der Stunde, sich diesem Mann mit allem, was wir vertreten, in den Weg zu stellen", sagte der SPD-Vorsitzende Martin Schulz. Europa sei der beste Schutz für die Demokratie, für die Wirtschaft und den sozialen Zusammenhalt.

"Wer dieser US-Politik nicht entgegentritt, macht sich mitschuldig", sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) der Rheinischen Post. "Wer den Klimawandel durch weniger Umweltschutz beschleunigt, wer mehr Waffen in Krisengebiete verkauft und wer religiöse Konflikte nicht politisch lösen möchte, der bringt den Frieden in Europa in Gefahr." Die kurzsichtige Politik der US-Regierung stehe den Interessen der Europäischen Union entgegen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die aktuelle US-Politik in einer Bierzelt-Rede erstmals deutlich kritisiert. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei", hatte sie gesagt. 

Lindner fordert besonders intensiven Dialog

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte Merkels Haltung. Er warnte davor, die transatlantischen Beziehungen zu vernachlässigen. "Aus Irritation darf keine dauerhafte Entfremdung werden", sagte er. "Der Dialog muss gerade dann, wenn es große Meinungsunterschiede gibt, besonders intensiv geführt werden." 

Mit einem Verweis auf die engen wirtschaftlichen Verbindungen warnte auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor überzogenen Reaktionen. "Die USA sind unser größter Exportkunde. Wir kaufen und verkaufen für mehr als 150 Milliarden Euro pro Jahr Produkte und Dienstleistungen im US-Geschäft", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Wie Merkel rief der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen die Europäer zu mehr Eigenständigkeit auf. "Donald Trump hat durch seine Äußerungen, seine Nichtaussagen und sein Verhalten die Grundlagen der transatlantischen Gemeinschaft in Frage gestellt", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zugleich mahnte er: "Wir sollten nicht den Fehler machen, Trump mit den USA zu verwechseln. Er ist der gegenwärtige Präsident, aber nicht die USA." 

Oppermann: Deutschland und Frankreich am Zug

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann sieht Deutschland und Frankreich gemeinsam in der Verantwortung: "Wir müssen schnell eine gemeinsame Initiative von Deutschland und Frankreich für einen Neustart von Europa starten. Deutschland hat mit Frankreichs neuem Präsidenten Emmanuel Macron einen großen Verbündeten für ein neues Europa", sagte er der Passauer Neuen Presse.

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Dietmar Bartsch, kritisierte in der Nordwest-Zeitung, die deutsche Politik habe mit ihrer Abkopplung von den USA zu lange gewartet: "Es ist lange überfällig, eine eigenständige Politik gegenüber der Administration von Donald Trump durchzusetzen. Das G7-Format ist endgültig gescheitert."