Wie viele illegale Waffen in Umlauf sind, dazu gibt es keine auch nur ansatzweise verlässlichen Zahlen. Allerdings haben Recherchen von ZEIT ONLINE an einem Beispiel gezeigt, wie viele Waffen im Jahr 2016 illegal übers Netz bestellt wurden – offenbar vor allem motiviert durch eine subtile Angst vor Flüchtlingen. Im selben Jahr hatten so viele Menschen in Deutschland einen kleinen Waffenschein gemacht wie nie: Dieser erlaubt es, Schreckschuss-, Reizgas- oder Signalpistolen zu besitzen und zu führen.

Für schwerere Schusswaffen gilt: Wer eine Waffenbesitzkarte hat, darf eine Pistole, ein Gewehr oder Ähnliches zunächst einmal als Sammlerstück oder für bestimmte Zwecke haben. Wann und wo man die Waffe bei sich tragen oder damit auch schießen darf, dafür gelten für Jäger, Sportschützen und andere Waffenbesitzer jeweils genaue Vorschriften. In einigen Fällen braucht man einen speziellen großen Waffenschein.

Schärfere Gesetze, weniger Tote?

Unbestritten ist: Nur dort, wo Waffen im Umlauf sind, können damit Unfälle passieren und Straftaten begangen werden. Statistiken belegen, dass in Ländern wie den USA, wo es viele legale wie illegale Waffen gibt, mehr Menschen erschossen werden als dort, wo Pistolen, Revolver und Gewehre nicht verbreitet sind. So weit, so naheliegend.

Steigt man tiefer in die Statistiken ein, zeigt sich: Die Sache ist komplexer. Dass die Zahl von Mordopfern durch Schusswaffen infolge von Waffenverboten automatisch sinkt, lässt sich nämlich nicht so leicht belegen. In den USA kommt im Durchschnitt auf fast jeden Bürger eine Waffe, geschätzte 300 Millionen. Gleichzeitig sinkt die Anzahl erschossener Mordopfer dort seit Jahren. Kaum zu sagen, ob das daran liegt, dass dort auch Nichtkriminelle zunehmend bewaffnet sind und Straftäter so abschrecken, wie Waffenbefürworter argumentieren – oder vielleicht am Rückgang von Morden im Milieu der organisierten Kriminalität.

Deutschland hat im Vergleich mit den USA noch ein recht kleines Waffenproblem. Die geplante Amnestie jedenfalls wird kaum Schwerstkriminelle davon überzeugen können, ihre illegalen Waffen auf der nächsten Wache abzugeben. Und trotz der Änderungen bei der Waffenlagerung wird der Status quo zunächst erhalten – da es wegen des Bestandsschutzes Jahrzehnte dauern wird, bis alle Sportschützen oder Jäger ihre alten Schränke ausgemustert haben.

Dem neuen Gesetz muss außerdem noch der Bundesrat zustimmen, was Wochen bis Monate dauern kann. Solange bleiben Deutschlands Waffen in den alten Schränken oder unterm Kopfkissen versteckt, egal ob angemeldet oder nicht.