In Berlin hatten AfD-Funktionäre bis zum Zwischenfall vor dem Justizministerium ihre Nähe zu den Identitären sogar zur Schau gestellt: Kai L. zum Beispiel saß als "kooptiertes Mitglied" im JA-Landesvorstand. Trotzdem warb er 2016 in einem offiziellen Mobilisierungsvideo für eine Identitären-Demonstration in Berlin. Kein Problem, argumentiert ein Sprecher der Berliner JA: "Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinen Unvereinbarkeitsbeschluss der Jungen Alternative mit der Identitären Bewegung." Es laufe also auch kein Parteiordnungsverfahren gegen L. Warum aber verschwand der Name Kai L. dann kürzlich aus der Vorstandsliste auf der Parteiwebsite? Ist er freiwillig zurückgetreten oder zum Rückzug gedrängt worden, weil er womöglich wie Brämer an der missglückten Protestaktion beteiligt war? Dazu verweigert die Junge Alternative eine Stellungnahme. 

JA-Schatzmeister Brämer war 2016 sogar als Ordner auf jener Identitären-Demonstration in Berlin im Einsatz gewesen, für die Kai L. per Videobotschaft warb – ebenfalls ohne Folgen. Ein Berliner Identitären-Funktionär postete seither bei Instagram für alle Welt sichtbar Fotos, die Brämer als Aktivisten der rechtsextremen Gruppe zeigten. "IB Berlin auf dem Weg zu einer Aktion im Norden", stand beispielsweise darunter. Konsequenzen: keine.

Vor einigen Monaten gründete Brämer zusammen mit einem Identitären-Aktivisten ein Modelabel, das Pullis und T-Shirts für die Identitären-Szene vertreibt. JA-Vorstandsmitglieder aus Berlin ließen sich in Kleidungsstücken des Labels fotografieren. Auf einem Landesparteitag durften Brämer und sein Mitstreiter von den Identitären einen Stand mit ihrer Ware aufbauen. Der JA-Landesvorsitzende Thorsten Weiß stellte sich mit dem Identitären-Modehändler zum Gruppenfoto auf. 

Zugleich gehörte Brämers Identitären-Mode-Mitstreiter der Facebookgruppe "JA Berlin" an. Diese Gruppe ist laut ihrer Selbstbeschreibung für "Mitglieder der Jungen Alternative Berlin" gedacht und soll "dem gegenseitigen Austausch" dienen. Der junge Mann sei inzwischen "kein Mitglied der JA mehr", teilt ein Sprecher der Berliner Parteijugend mit. Zu den Gründen schweigt er.  

Unerkanntes Einsickern?

Der JA-Landesverband Berlin scheute sich auch nicht, Identitären-Funktionäre auf seiner Facebookseite zu promoten. Erst kürzlich erschien dort ein Gruppenfoto von einem Grillfest der AfD-Jugend: Es zeigt mehrere Landtagsabgeordnete der Partei beim Bier mit Aktivisten der Identitären.

Der Berliner JA-Chef Thorsten Weiß bemühte sich erst gar nicht um einen Sicherheitsabstand zu den Identitären. Anfang des Jahres bestätigte er sogar öffentlich eine Zusammenarbeit mit der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe. Es sei "überhaupt nicht verwerflich", sagte Weiß damals, dass Personen aus der AfD und der IB "Veranstaltungen gegenseitig besuchen oder gemeinsam an Demonstrationen teilnehmen". Auch in der Mitgliedschaft gebe es Überschneidungen. Die Mitglieder der Identitären "ticken gar nicht so unterschiedlich zu uns, sie drücken sich nur anders aus".