Um welche Unterlagen geht es überhaupt?

Umstritten sind vor allem die Unterlagen, die Helmut Kohl in seinem Haus in Ludwigshafen aufbewahrt hatte. Amtliche Akten aus seiner Zeit als Kanzler befinden sich nach Auskunft des Bundesarchivs in der Registratur des Bundeskanzleramtes. Nach Medieninformationen hatte Kohl jedoch 400 Aktenordner, darin etwa Strategiepapiere und Briefe, die er nach dem Ende seiner Amtszeit der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung übergeben hatte, wieder zu sich angefordert – für den vierten Band seiner Memoiren, der jedoch nie erschien. Für Forscher und Journalisten werden darüber hinaus auch Dokumente von Helmut Kohl von Interesse sein, die Kohl nach seiner Kanzlerschaft verfasst hat, etwa Briefwechsel. 

Wie wird unterschieden, was privat ist und was amtlich?

Tobias Herrmann, Sprecher des Bundesarchivs, sagt, formal sei es relativ einfach zu erkennen, was ein amtliches Schreiben ist und was nicht. Amtliche Unterlagen haben etwa ein Aktenzeichen. "Aber natürlich geraten im Alltag eines so bedeutenden Politikers amtlich und privat hin und wieder durcheinander. Zum Beispiel hat der frühere Bundespräsident Theodor Heuss intensive Briefwechsel geführt, in denen natürlich auch hochpolitische Fragen behandelt werden, das wird bei Helmut Kohl nicht anders sein."

Wer kann entscheiden, was mit den Unterlagen geschieht?

Die amtlichen Dokumente kommen ins Bundesarchiv, nachdem die Aufbewahrungsfristen im Bundeskanzleramt abgelaufen sind. Das sind maximal 30 Jahre, die aber in der Praxis selten ausgereizt werden. Anders sieht es beim privaten Nachlass aus. Kohls Witwe Maike Kohl-Richter hatte bereits vor drei Jahren der Welt am Sonntag gesagt, Helmut Kohl habe entschieden, dass sie "die alleinige Entscheidungsbefugnis über seinen historischen Nachlass" haben soll. Sie sagte auch, dass sie Sorge um das Bild ihres Mannes in der Geschichte habe.

Wie der Historiker Herrmann vom Bundesarchiv erläutert, kann mit privaten Unterlagen jeder machen, was er möchte. "Die Erben haben auch die Möglichkeit zu sagen, wir machen das schnell zugänglich, oder wir geben das ins Archiv, aber da soll für lange Zeit niemand dran. Dann ist die Frage für das Bundesarchiv allerdings, ob das noch attraktiv ist."

Was ist, wenn sich die Familie nicht einig ist?

Dass es zwischen der Witwe Helmut Kohls und seinen Kindern aus der Ehe mit seiner verstorbenen ersten Frau Hannelore nicht einfach ist, ist bekannt: So erfuhr der Sohn die Nachricht vom Tod seines Vaters nach eigenen Angaben aus den Medien; von der Polizei wurde er vor seinem Elternhaus abgewiesen. Uneinigkeit ist auch in der Frage des Nachlasses vorstellbar. Für die interessierten Archivare sind Familienstreitigkeiten schwierig. "Da müssen wir uns raushalten, wir brauchen einen Ansprechpartner, der verfügungsberechtigt ist. Wir werden uns auf keinen Fall in Familienstreitigkeiten einmischen. Wenn die Frage ungeklärt ist, wer das ist, stehen wir hintenan", sagt Historiker Herrmann.

Grundsätzlich sei es Teil der Aufgabe des Bundesarchivs, in Ergänzung zur staatlichen Überlieferung auch zu versuchen, Nachlässe von national bedeutenden Persönlichkeiten zu sammeln. Das sei "eine delikate Sache, weil man nicht direkt am ersten Tag nach dem Tod kondolieren und im nächsten Satz schon nach dem Nachlass fragen will. Andererseits will man das schon ins Gespräch bringen – manche Erben sind froh darüber, wenn ihnen diese Sorge abgenommen wird."