Viele Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sind für die Durchführung von Asylverfahren nicht ausreichend qualifiziert. Das berichten die Nürnberger Nachrichten unter Berufung auf einen internen Bericht der Behörde. Demnach haben 454 sogenannte Entscheider bisher keine relevante Qualifizierungsmaßnahme absolviert, in der sie etwa über Asylrechtsgrundlagen informiert werden und Anhörungstechniken üben. Die Entscheider befinden darüber, ob ein Flüchtling als Asylbewerber anerkannt wird oder nicht.

Damit seien etwa 15 Prozent der 3.033 in dieser Funktion tätigen Mitarbeiter, die zwischen dem 1. August 2015 und dem 1. März 2017 vom Bamf eingestellt wurden, ohne Qualifizierung, heißt es in dem Bericht. Bereits im Januar war bekannt geworden, dass 2015, als sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen und das Bamf schnell neue Mitarbeiter benötigte, auch Entscheider eingestellt wurden, die kein passendes Studium absolviert hatten.

Noch wesentlich schlechter steht es dem Bericht zufolge um die Qualifizierung der Mitarbeiter des Asylverfahrenssekretariats. Ihre Aufgabe besteht unter anderem darin, Anträge anzunehmen, Dokumente der Asylbewerber zu prüfen und Antragsteller erkennungsdienstlich zu behandeln. Zwischen dem 1. August 2015 und dem 1. März 2016 hätten in diesem Bereich 3.340 neue Mitarbeiter angefangen, heißt es in dem Bericht. Rund 80 Prozent hätten aber keine Qualifizierungsmaßnahmen erhalten. Stattdessen seien sie hauptsächlich durch sogenanntes training on the job eingewiesen worden.

Frühe Zweifel an falscher Identität von Franco A.

Eine Sprecherin der Behörde sagte der Zeitung, dass man die Qualifizierung inzwischen auf die unterschiedlichen Zielgruppen hin angepasst habe. Außerdem habe man als eine Konsequenz des Falles Franco A. "eine Reihe von weiteren qualitätssichernden Maßnahmen eingeleitet". Der mutmaßlich rechtsextreme Bundeswehrsoldat steht unter Terrorverdacht, er konnte sich als syrischer Flüchtling registrieren lassen. Bei seiner Anhörung soll er laut Spiegel angegeben haben, aus einer christlich-jüdischen Familie zu stammen und aus Syrien geflohen zu sein. In der Folge soll A. mit Komplizen Anschläge als falscher Flüchtling geplant haben.

In Fall A. wurde unterdessen bekannt, dass es offenbar schon früh Zweifel an dessen fiktiver Identität gegeben habe. Einer Dolmetscherin, die bei der Asylanhörung des Oberleutnants anwesend war, sollen Unstimmigkeiten in seinen Aussagen aufgefallen sein, berichtet der Spiegel. Die Frau marokkanischer Herkunft habe allerdings nicht gewagt, ihre Zweifel zu äußern. Das soll eine Bamf-Vertreterin dem Rechtsausschuss des Bundestags berichtet haben. Die Dolmetscherin habe angegeben, sie habe "nichts gegen einen Israeli" sagen wollen. Die Bamf-Vertreterin nannte die Registrierung von A. als Flüchtling demnach "ein Zusammentreffen mehrerer eklatanter Fehler, mangelnder Routine und extremer Belastung aller Mitarbeiter".