Die Grünen wollen regieren und streben in der Bundestagswahl Platz drei nach Union und SPD an. Ziel sei, die Grünen zur drittstärksten Kraft zu machen, sagte Spitzenkandidat und Parteichef Cem Özdemir. "Wir sind heute stabil, aber da geht noch mehr", sagte auch Co-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt zuversichtlich. "Da muss der Parteitag am Wochenende die Wende bringen", sagte sie dem Spiegel. Das Delegiertentreffen findet in Berlin statt.

Umfragen sehen derzeit eher Linke, FDP und AfD an dritter Stelle. Die Grünen kommen auf etwa sieben Prozent. Während die Konkurrenz der kleinen Parteien sogar zweistellig abschneiden könnten, müssen die Grünen fürchten, auch unter die Fünfprozenthürde zu fallen.

Göring-Eckardt räumte ein, dass es für ihre Partei Probleme gebe. So sei es "schwer, ein veraltetes Image abzuschütteln". Es sei wichtig, dass die Grünen "mehr Haltung nach außen" zeigten und sich weniger mit sich selbst beschäftigten. "Ich möchte eine Partei sehen, die sich kämpferisch zeigt und überzeugt ist von dem, was mir machen."

Auf dem Parteitag wollen die Grünen ihr Wahlprogramm beschließen. Zentral ist darin die Ökologie.

Thema auf dem Parteitag dürfte aber auch eine mögliche Regierungsbeteiligung der Grünen sein. Den Umfragen zufolge ist eine Jamaikakoalition mit Union und FDP die einzige Option, um mitzuregieren. Ein solches Bündnis wird gerade in Schleswig-Holstein geschlossen.

Göring-Eckardt meldete den Anspruch der Grünen an: "Klimaschutz braucht einen festen Platz in der nächsten Regierung", sagte sie. Die Grünen böten eine Alternative zur großen Koalition. Auch Co-Spitzenkandidat Özdemir sagte, er wolle die Grünen in die Regierung führen.

Mit wem, lassen die Spitzenfunktionäre offen: Die Grünen-Co-Vorsitzende Simone Peter sagte im Bayerischen Rundfunk, ihre Partei werde sich mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung nicht an "Parteikonstellationen" orientieren, "sondern vor allen Dingen an den Inhalten". Der Grünen-Umweltminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, sagte im ARD-Morgenmagazin, er halte "Ausschließerei für einfach politisch dämlich", weil sie automatisch zu großen Koalitionen führe.

Grüne - Öko plus Gerechtigkeit Die Grünen schwächeln in den Meinungsumfragen, ihr neues Wahlprogramm soll das ändern. Wo gibt es Unterschiede zum Programm für die letzte Bundestagswahl? © Foto: ZEIT ONLINE

Die Parteispitze hatte schon vor Wochen zehn Bedingungen für eine Regierungsbeteiligung formuliert: Erste Priorität hat die Energiewende, hier wollen die Grünen die Stromsteuer abschaffen und die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke sofort abschalten. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die E-Mobilität und die ökologische Landwirtschaft. Unter anderem steht auch Gleichberechtigung nicht zur Disposition – hier geht es um die Ehe für alle. Weiterhin lehnen sie eine Grundgesetzänderung für eine Obergrenze beim Asylrecht ab.