Beim Wahlabend vor vier Jahren kam es zu einer eindrucksvollen Szene. Im Überschwang des Triumphgefühls – immerhin lag die Union erstmals seit Langem wieder bei über 40 Prozent – griff der damalige Generalsekretär Hermann Gröhe nach einer Deutschlandfahne und schwenkte sie freudestrahlend. So lange, bis die Kanzlerin kam und Gröhe die Fahne aus der Hand pflückte.

Merkel soll das später einmal intern so erklärt haben: Sie habe den Eindruck vermeiden wollen, die Partei wolle das nationale Symbol für sich vereinnahmen und sich das ganze Land aneignen. 

Diese Zurückhaltung hat die CDU nun aufgegeben. Wer in den sechs Wochen vor der Bundestagswahl durch Deutschland fährt, dürfte sich mitunter fragen, ob er verpasst hat, dass gerade Fußballweltmeisterschaft ist. Denn die CDU will die deutschen Wähler mit Plakaten überzeugen, die vor allem eines sind: schwarz-rot-gold. Auf vier der sechs Plakate, die CDU-Generalsekretär Peter Tauber am Donnerstag in Berlin vorstellte, ist – außer dem Slogan – nichts anderes zu sehen als ineinander verschachtelte Streifen in den Nationalfarben.

Nur auf einem lächelt einem auch Angela Merkel entgegen. Die Kanzlerin trägt ein blaues Jackett und die obligatorische Perlenkette. Die Spuren, die die Zeit im Gesicht der bald 63-Jährigen hinterlassen haben, hat man, anders als in manchem früheren Wahlkampf, diesmal kaum wegretuschiert. Das wäre auch kontraproduktiv gewesen. Schließlich will die CDU ja vor allem mit der großen Erfahrung ihrer langjährigen Regierungschefin werben. Da muss sie nicht aussehen wie 35.

Dass die CDU im Wahlkampf auf die Nationalfarben setzt, obwohl Merkel das Feiern mit denselben für unangemessen hielt, erklärt Tauber so: Man habe den Anspruch dokumentieren wollen, dass die Partei dem Land dienen wolle. Die CDU mache deutlich, dass ihr Deutschland am Herzen liege. Sie stehe für einen "aufgeklärten, offenen Patriotismus".

Dass man auf diese Weise potenziellen AfD-Wählern klarmachen will, dass man auch bei der CDU nationale Gefühle pflegen kann, dürfte ein weiteres Motiv sein. Vielleicht hofft die Partei auch, die Konservativen unter ihren Anhängern, die von Merkels Modernisierungskurs und ihrer Flüchtlingspolitik enttäuscht sind, so wenigstens farblich zu beruhigen.

Inhaltlich scheint die CDU vor allem ein optimistisches "Weiter so" bewerben zu wollen. Auf den Plakaten stehen Sprüche wie: "Für eine starke Wirtschaft und sichere Arbeit", "Für Sicherheit und Ordnung" oder unter dem Merkel-Plakat: "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben". Lediglich das kleine Wörtchen "mehr" in dem Slogan "Mehr Respekt für Familien" deutet an, dass die Partei hier Handlungsbedarf sieht.