Eine Woche vor dem G20-Gipfel in Hamburg hat Angela Merkel (CDU) für eine starke internationale Zusammenarbeit geworben. Herausforderungen wie der Kampf gegen den Klimawandel, die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus oder die Ursachen von Flucht und Migration machten nicht vor Ländergrenzen halt und seien nur gemeinsam zu lösen, sagte die Kanzlerin in ihrer Regierungserklärung im Bundestag. "Wer glaubt, die Probleme dieser Welt mit Isolationismus und Protektionismus lösen zu können, der unterliegt einem gewaltigen Irrtum", sagte sie.

Damit spielte sie auf Donald Trump an, ohne ihn namentlich zu nennen. Der US-Präsident hatte angekündigt, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Der Dissens mit den USA in der Frage sei offenkundig, sagte Merkel: "Und es wäre unaufrichtig, wenn wir ihn übertünchen würden. Das werde ich jedenfalls nicht tun." Der Klimaschutz sei eine existenzielle Herausforderung. Deshalb gelte: "Das Klimaabkommen ist unumkehrbar, und es ist nicht verhandelbar." Nur gemeinsam könne es gelingen, die richtigen Antworten auf die zentralen Fragen unserer Zeit – wie den Klimawandel – zu finden. "Das gilt für die G20 genauso wie für die Europäische Union."

Das Klimaabkommen war Ende 2015 bei einer UN-Konferenz in Paris beschlossen worden, es gilt als zentrales Dokument im Kampf gegen den Klimawandel. Es sieht vor, die Erderwärmung auf ein Maß von "deutlich unter zwei Grad" im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, möglichst sogar auf unter 1,5 Grad.

Roter Faden: Multilateralismus

Die Kanzlerin stellte sich auch gegen Importhürden, wie sie die US-Regierung erwägt. Handelsbeschränkungen führten nicht weiter, es brauche offene Märkte. Das sei für Europa wichtig – denn der Welthandel sorge auch für Wohlstand. Vom Gipfel am 7. und 8. Juli müsse ein klares Signal für freie Märkte und gegen Abschottung sowie ein klares Bekenntnis zu einem multilateralen Handelssystem ausgehen. Die Stärkung des Multilateralismus sei auch der Gedanke, der sich "wie ein roter Faden" durch den Entwurf der Gipfelerklärung für das Treffen in Hamburg ziehe.

Merkel unterstrich die Bedeutung des Zusammenhalts in Europa, gerade nach dem von Großbritannien angekündigten Austritt aus der Europäischen Union. Die Kanzlerin sagte, um die Gemeinschaft in Europa sei es "deutlich besser bestellt, als es manche hitzige Debatte vermuten ließe". Und Europa habe in der Vergangenheit immer wieder gemeinsame überzeugende Lösungen gefunden. Es sei nun vorrangig, die eigene Zukunft in Europa aktiv zu gestalten – Brexit hin oder her. "Wir wissen, dass es Deutschland auf Dauer nur gut geht, wenn es Europa gut geht." 

Keiner dürfe sich darauf verlassen, dass andere die Probleme für uns lösten. Die EU müsse ihr Schicksal stärker in die eigene Hand nehmen, mehr Verantwortung übernehmen als in der Vergangenheit, so Merkel. Das gelte auch in Bezug auf die Migrations- und Flüchtlingspolitik, die zu dem Bereich zähle, in dem Europa weit hinter seinen Möglichkeiten liege.

Am Mittag empfängt Merkel im Kanzleramt die europäischen Gipfelteilnehmer der G20 zu einem Vorbereitungstreffen. Sie will dabei den Stand der bisherigen Verhandlungen vorstellen und mit den europäischen Partnern die Schwerpunkte des Gipfels diskutieren.