ZEIT ONLINE: Herr Habeck, Sie haben in nur drei Wochen den Jamaika-Koalitionsvertrag für Schleswig-Holstein mit ausverhandelt. Wie fertig sind Sie?

Robert Habeck: Etwas aus der Puste, war ja ein Dauersprint: die eigentlichen Verhandlungsrunden, dann reden mit Parteigremien, Medienvertretern, die Papiere studieren und wieder besprechen und an Sätzen feilen bis in die Nacht. Und zu Hause stapelt sich der Abwasch, der Rasen ist zu lange nicht gemäht, der Katze fehlen Streicheleinheiten – es fehlt also etwas Alltag und Schlaf.

ZEIT ONLINE: Warum musste es so schnell gehen? Damit das Jamaika-Momentum nicht verfliegt?

Habeck: Uns war wichtig, dass das Land nicht ewig in einer Übergangsphase hängt. Wir haben uns aber nicht gehetzt. Wir haben einfach intensiv und kräftig verhandelt.

ZEIT ONLINE: Gab es zwischendurch – abgesehen vom Aussetzen der Gespräche am vergangenen Wochenende wegen des Streits zwischen ihnen und der FDP um die Wirtschafts- und Verkehrspolitik – Stellen, an denen das Scheitern der Verhandlungen drohte?

Habeck: Die gab es. Ein Grundproblem war und ist für alle drei beteiligten Parteien, die enge Finanzlage des Landes mit den politischen Wünschen überein zu bringen. Das betrifft alle Bereiche von der Aufstockung der Polizei bis zur Unterstützung von Frauenhäusern, Jugendverbänden und Kulturorganisationen. Am Ende haben wir in vielen Bereichen gute Kompromisse gefunden. Alle haben intensiv und leidenschaftlich um Halbsätze und Prozente gekämpft.

ZEIT ONLINE: Die Öffentlichkeit hat davon wenig mitbekommen!

Habeck: Wer interessiert sich schon für Details des arten- und strukturreichen Dauergrünlandschutzes. Aber die Bauern tun das und die Naturschützer. Zu Recht. Das ist die Agrarwende im Konkreten.

"Neue Verbundenheit"

ZEIT ONLINE: Sie haben ja den direkten Vergleich: Sie waren schon 2012 an den Verhandlungen über die rot-grün-blaue Küstenkoalition beteiligt. War das diesmal schwerer, weil CDU und FDP aus dem anderen politischen Lager sind? Oder sogar leichter, weil man sich nicht gegenseitig die Butter vom Brot nimmt?

Habeck: Es war anders. Wenn man aus dem vermeintlich gleichen Lager kommt, ist man in gewisser Weise automatisch in größerer Konkurrenz: Wir waren zwar 2012 inhaltlich viel enger beieinander. Aber umso mehr haben die SPD und wir Grüne versucht zu zeigen, dass wir auf dem jeweiligen Terrain noch besser sind als die anderen. Das hat 2012 die Atmosphäre bestimmt. 

Jetzt war es umgekehrt: Weil wir inhaltlich zum Teil sehr weit auseinanderlagen, wussten alle, dass wir gegenseitiges Vertrauen brauchen, wenn es gelingen soll. Das hat dann 48 Stunden nicht geklappt. Da sind wir uns auch schon mal mit der FDP an die Gurgel gegangen. Aber im Ergebnis war es spiegelverkehrt: größere inhaltliche Distanz, dafür aber das Ringen um neue Verbundenheit.