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1. Juli 2017 Liveblog abgeschlossen
© Sven Hoppe/dpa

Trauerakt für Helmut Kohl: "Ich verneige mich in Demut"

Abschied von Helmut Kohl beim europäischen Trauerakt in Straßburg: Internationale Politiker würdigten die Verdienste Kohls für Europa. Unser Liveblog zum Nachlesen
  • Zur Ehrung von Altbundeskanzler Helmut Kohl fand erstmals ein europäischer Trauerakt für einen Regierungschef statt.
  • Kohl starb am 16. Juni 2017 in Ludwigshafen.
  • Bei der Zeremonie in Straßburg sprachen unter anderem der frühere US-Präsident Bill Clinton, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
  • Die eigentliche Beisetzung findet am Samstagabend in Speyer im engsten Familienkreis statt.
  • Alle weiteren Hintergründe, Analysen und Kommentare zum Leben und Wirken Helmut Kohls finden Sie auf dieser Themenseite.

  • 13:56 Uhr
    Karin Geil

    Hiermit beenden wir unser Liveblog zum europäischen Trauerakt für Helmut Kohl – dem ersten überhaupt für einen Politiker.

    Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel als Schlussrednerin würdigten Spitzenvertreter der EU sowie politische Weggefährten den Altkanzler. Sie betonten Kohls große Verdienste um die Einheit Europas und seinen Einsatz für Verständigung und Frieden – für die Nachbarn Deutschlands sowie für die Verbündeten in der Welt.

    Ernste und melancholische Worte wechselten sich mit heiteren Anekdoten ab. Jeder der Redner – darunter der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und der frühere russische Staatschef Dmitri Medwedew – erinnerte an besondere persönliche Momente mit Kohl.

    Auf unserer Themenseite zu Helmut Kohl haben wir für Sie alle Nachrufe, Analysen und eine Bilderstrecke zum Leben und Wirken des gestorbenen Altkanzlers gesammelt.

  • 13:33 Uhr
    Karin Geil

    Der Trauerakt in Straßburg ist beendet. Soldaten des Wachbataillons tragen den Sarg aus dem Plenarsaal.




    Nun wird der Sarg nach Speyer transportiert, wo Kohl am späten Abend im engen Familienkreis beigesetzt werden soll. Zuvor gibt es noch eine Totenmesse im dortigen Dom, an der nur geladene Gäste teilnehmen dürfen. Begleitet von dem Großen Ehrengeleit der Bundeswehr soll der Sarg dann die Grabstätte auf dem Domherrenfriedhof erreichen.

  • 13:28 Uhr
    Karin Geil

    An diesen Moment haben viele Redner erinnert:




    Es ist der 22. September 1984 und erstmals gibt es eine gemeinsame deutsch-französische Gedenkfeier in Verdun. Da reichen sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der damalige französische Präsident François Mitterrand die Hände. Das Foto ging um die Welt.

  • 13:14 Uhr
    Georg Blume

    Die Reden des französischen Präsidenten und der Bundeskanzlerin unterscheiden sich deutlich:


    Macron will das Beispiel Kohl nutzen, um heute Vergleichbares zu schaffen. "Ich möchte mit Bundeskanzlerin Merkel dem europäischen Projekt Sinn und Dichte verleihen", wie es schon Kohl und Mitterrand zuvor getan hatten, sagt er. 

    Merkel entgegnet dem mit einem knappen: "Nun liegt es an uns." Sie erzählt von dem Erreichten Kohls, aber wendet ihren Blick weniger in die Zukunft als Macron.

  • 13:11 Uhr
    Karin Geil

    Vor Merkel verneigte sich auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron vor Helmut Kohl.




    In seiner Trauerrede würdigte er den Deutschen als großen Freund Frankreichs. "Helmut Kohl reichte uns die Hand", sagte Macron. "Für meine Generation ist er schon Teil der europäischen Geschichte."

    Den Großteil seiner Ansprache hielt der 39-Jährige auf Französisch, um am Ende auf Deutsch zu schließen: "Wir haben heute überhaupt keinen Anlass zur Resignation. Wir haben vielmehr Grund zu realistischem Optimismus." 

  • 12:53 Uhr
    Karin Geil

    Die Kanzlerin nach ihrer Rede am Sarg des Altkanzlers:




    Am Ende ihrer Rede war auch sie persönlich geworden: "Lieber Bundeskanzler Helmut Kohl, dass ich hier stehe, daran haben Sie entscheidenden Anteil. Danke für die Chancen, die Sie mir gegeben haben. Sie haben unendlich viel erreicht. Jetzt ist es an uns, Ihr Vermächtnis zu wahren. Ich verneige mich vor Ihnen und Ihrem Angedenken – in Dankbarkeit und Demut."

  • 12:45 Uhr
    Karin Geil

    Ein weiterer besonderer Moment am Ende des Trauerakts: Im EU-Parlament erklingt die deutsche Nationalhymne. Erst danach – zu Ehren Europas – Beethovens Neunte Sinfonie Ode an die Freude.

  • 12:32 Uhr
    Karin Geil

    Die Kanzlerin beginnt ihre Ansprache auf ihren einstigen politischen Ziehvater: "Er, der einst als junger Mann Geschichte studierte, hat nun selbst einen Platz in der Geschichte gefunden."


    Sie erwähnt auch kurz die schwierigen Seiten des Altkanzlers. Doch, so fügt sie hinzu: "Das tritt zurück hinter dem überragenden Lebenswerk." Sie berichtet von ihren Erfahrungen als junge Ministerin unter einem Kanzler namens Kohl: "Natürlich war es nicht immer leicht, mit eigenen Argumenten durchzudringen. Manchmal war es sogar unmöglich."

    Was sie an ihm bewundert habe, sei seine Verlässlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und unerschütterlichen Überzeugung gewesen: "Was er sagte oder zusagte, dazu stand er – ohne Wenn und Aber."



    Sie berichtet von einer Ansprache Kohls, die sie als junge DDR-Bürgerin live im Fernsehen mitverfolgt hat. Da hörte sie ihn zu Erich Honecker bei einer Tischrede sagen: "Die Menschen in Deutschland leiden unter der Trennung, sie leiden an einer Mauer, die ihnen buchstäblich im Weg steht. Sie wollen zueinanderkommen, weil sie zueinander gehören." Diese Worte hätten "uns Kraft gegeben".

    Merkel erinnert an Kohls erste Ehefrau Hannelore, die sich 2001 das Leben genommen hat. "Wir gedenken auch ihrer in Dankbarkeit." Dann wendet sich die Kanzlerin an Kohls Witwe Maike Kohl-Richter, die den Altkanzler "voller Hingebung und Liebe begleitet bis zuletzt". Ihr Mitgefühl gelte der Witwe und "allen, die in Helmut Kohls Familie um ihn trauen". 

    Mit tränenerstickter Stimme schließt Merkel: "Ich verneige mich vor Ihnen in Dankbarkeit und Demut."

  • 12:31 Uhr
    Karin Geil

    Bewegende Geste von Bill Clinton, als er nach seiner Rede am Sarg Helmut Kohls vorbeigeht:




    "Schlafe wohl, mein Freund", hatte er seine Rede beendet. "Du hast in deinem Leben einen guten Job gemacht."

  • 12:25 Uhr
    Georg Blume

    Bewegende, sehr persönliche Rede Bill Clintons. "Das 21. Jahrhundert begann auf seiner Uhr", sagt Clinton über Kohl.



    Clinton erinnert sich jovial, dass ihn der Deutsche überzeugen wollte, "Dinge zu essen, die ich wirklich nicht essen wollte". Aber dann gesteht Clinton Kohl doch zu, dass "sein Appetit weit übers Essen hinausging", dass er nämlich eine Welt schaffen wollte, in der niemand mehr dominieren würde.

    Am Ende dankt Clinton Kohl, dass er ihn gelehrt habe, "an etwas teilzunehmen, das größer ist als wir".

  • 12:21 Uhr
    Karin Geil

    Bevor die Kanzlerin in Straßburg spricht, gibt es ein musikalisches Intermezzo.


    Zeit, sich an einen Moment kurz vor dem Trauerakt zu erinnern:



    Die Kanzlerin am Sarg des Altkanzlers, aufgebahrt in einem Nebenraum des Plenarsaals, bedeckt mit einer Europafahne. 

  • 12:09 Uhr
    Karin Geil

    "Helmut Kohl liebte es, Deutschland zu sein", sagt Bill Clinton über den Altkanzler. "Er wollte eine Welt schaffen, in der niemand niemanden dominiert."



    Der frühere US-Präsident macht dem Altkanzler eine Liebeserklärung. "Ich habe ihn geliebt. Ich habe ihn sehr gemocht", sagte er. Kohl habe eine Welt gewollt, in der Zusammenarbeit als besser gilt als der Konflikt. "Er wollte eine Welt schaffen, in der niemand niemanden dominiert." Zum Schluss sagte Clinton: "Du hast das gut gemacht in deinem Leben. Und wir, die wir dabei sein durften, lieben dich dafür."

  • 12:08 Uhr
    Georg Blume

    Nach Juncker ist es auch EU-Ratspräsident Donald Tusk, der Kohls Maxime vom "europäischen Deutschland" im Gegensatz zu einem "deutschen Europa" betont. Die Sorge um ein deutsches Europa besteht wohl über Kohls Erbe hinaus fort.

  • 11:59 Uhr
    Karin Geil

    Aufmerksame Zuhörer: Der frühere US-Präsident Bill Clinton, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron (v.l.n.r.):



  • 11:54 Uhr
    Georg Blume


    In seiner Ansprache beschreibt EU-Kommissionspräsident Juncker seinen Freund auch mithilfe einer Anekdote, die sich ihm eingeprägt habe. "Ich bin vielleicht der Einzige in diesem Saal, der Kohl hat weinen sehen", sagt Juncker und erzählt vom Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen 1997, als die osteuropäischen Länder dazustoßen wollten. "'Und das, nach all dem Unheil, das die Deutschen über Europa gebracht haben …'", soll Kohl damals gesagt haben und in Tränen ausgebrochen sein.

  • 11:42 Uhr
    Karin Geil

    Juncker schließt seine Ansprache mit sehr persönlichen Worten


    "Lieber Helmut, du bist, wie ich denke, jetzt im Himmel. Ich hätte dich lieber hier. Du hast genug getan, für deine Partei, für dein Land und für Europa. Vielen Dank, lieber Helmut!"

    Damit unterstreicht er seine enge Verbindung zu Kohl und dessen Witwe Maike Kohl-Richter, die er in der Rede "meine Freundin" nennt.


    Auch während des Trauerakts ist der Platz von Kohl-Richter an der Seite von Juncker.

  • 11:40 Uhr
    Karin Geil

    Zuvor wurde der Sarg des Altkanzlers von acht Bundeswehrsoldaten in den Plenarsaal getragen:

  • 11:37 Uhr
    Karin Geil

    "Mit Helmut Kohl verlässt uns ein Nachkriegsgigant", sagt im Anschluss EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der an dieser Stelle aber als Freund und nicht als Präsident sprechen will.

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