Anis Amri, der im Dezember den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz verübte, war einem Medienbericht zufolge doch im Besitz eines Ausweises, ließ ihn aber vernichten. Nach Informationen der Welt überwachte das Berliner Landeskriminalamt (LKA) im April 2016 ein Telefongespräch Amris mit einem Bekannten. Dieser teilte Amri mit, dass er dessen Reisepass in einer Moschee gefunden habe. "Mach die Bilder aus dem Pass und wirf ihn weg. Ich brauche ihn nicht mehr", soll Amri daraufhin gesagt haben. 

Das Gespräch wurde laut Welt von den Ermittlern zwar aufgezeichnet, jedoch erst später übersetzt, protokolliert und ausgewertet. Der Hinweis auf den Reisepass soll weder an eine Ausländerbehörde, noch die nordrhein-westfälische Polizei, noch an eine Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden sein.

"Wenn diesem Hinweis nachgegangen worden wäre, hätte man ihn damit vielleicht frühzeitig abschieben können. Das muss jetzt weiter aufgeklärt werden", sagte FDP-Innenexperte Marcel Luthe. Der innenpolitische Sprecher der Berliner CDU-Fraktion und Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zum Fall Anis Amri, Burkard Dregger, sagte zu, der neuen Information über das besagte Telefonat nachzugehen. Es müsse nun gründlich aufgearbeitet werden, ob es nicht doch Gelegenheiten gab, Amri vor seinem Anschlag nach Tunesien abzuschieben.

Monatelang hatten deutsche Behörden vergeblich versucht, Ersatzpapiere aus Tunesien zu bekommen. Die tunesischen Behörden übermittelten die angefragten Dokumente erst nach dem Anschlag.

Amri war im Juli 2015 ach Deutschland eingereist und hatte mehrfach Asyl unter Falschidentitäten beantragt. Er gab sich beispielsweise als Ägypter oder Libanese aus, ohne je ein Ausweisdokument vorzulegen. Insgesamt waren den Behörden 14 Aliasnamen des Extremisten bekannt.