Nach dem Bundestag hat nun auch der Bundesrat dem Gesetzesentwurf der Ehe für alle zugestimmt. Sofern auch der Bundespräsident den Entwurf unterschreibt, heißt es künftig in Paragraf 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB): "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen."

In der Debatte des Bundesrats wiesen die meisten Redner Bedenken zurück, das neue Gesetz stehe nicht im Einklang mit dem Grundgesetz. Die Ehe müsse nicht zwingend eine Verbindung von Mann und Frau sein, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen. Hingegen bekräftigte Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) die verfassungsrechtlichen Bedenken der Staatsregierung des Freistaats.

Das Gesetz sieht vor, den Standesämtern eine dreimonatige Vorbereitungszeit einzuräumen. Die ersten Ehen von Homosexuellen sollen demnach ab dem 1. Oktober geschlossen werden können. Bislang können schwule und lesbische Paare lediglich eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. In vielen Bereichen, etwa bei der Einkommensteuer, beinhaltet sie eine Gleichstellung mit der Ehe. Allerdings haben eingetragene Partnerschaften kein  gemeinsames Adoptionsrecht

Das Eheverständnis von Kirchen und Religionsgemeinschaften bleibt davon unberührt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bekräftigte die ablehnende Haltung der katholischen Bischöfe. Er setze auf eine weitere Erörterung des Themas vor dem Bundesverfassungsgericht. Dagegen begrüßt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die "Ehe für alle", wenn auch verklausuliert. Der Rat der EKD spricht sich für eine vollständige Öffnung des "rechtlichen Raums" für homosexuelle Lebenspartner aus. Er fügte jedoch hinzu, zur Frage der "Ausgestaltung eines rechtlichen Rahmens" gebe es in den evangelischen Landeskirchen wie in der weltweiten Kirche "unterschiedliche Auffassungen, die auch weiterhin ihre Berechtigung haben werden".

Ebenfalls in der letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Bundesrat der Angleichung der Renten in den alten und neuen Bundesländern bis 2025 zugestimmt. Der Angleichungsprozess soll 2018 beginnen und in sieben Schritten erfolgen. Für Rentner im Osten bedeutet dies eine Anhebungen ihrer Bezüge. Im ersten Jahr wird der Rentenwert Ost auf 95,8 Prozent des Westwertes gehoben. In den darauf folgenden Jahren steigt er um jeweils 0,7 Prozent.