1998 aber, bei einer ähnlich hohen Priorität der ökonomischen Themen und dem eher der Union nützenden Thema der Bekämpfung der Kriminalität, wurde zum ersten Mal in der Wahlgeschichte der Bundesrepublik eine amtierende Bundesregierung abgewählt und Kanzler Kohl von Gerhard Schröder abgelöst.

Wichtiger als die Priorität der einzelnen Themen war also das Urteil über die Kompetenz der Parteien mit ihrem jeweiligen Kanzlerkandidaten. Und das fiel 1994 trotz aller Vorbehalte, die sich schon damals gegen Kohl aufgestaut hatten, gegen den SPD-Kanzlerkandidaten Rudolf Scharping aus, der weder sympathisch wirkte noch irgendwelche politische Kompetenz besaß. 1998 aber traute man der SPD mit Schröder zu, das Land zu modernisieren und zu erneuern und so auch aus dem Reformstau, den Kohl nach 16 Jahren hinterlassen hatte, herauszuführen.

Wer ist kompetent?

Selbst wenn Schulz eine andere programmatische Schwerpunktsetzung gewählt hätte, würde das also nur wenig über seine Wahlchancen aussagen.

Wichtiger als Detailthemen scheinen auch bei der bevorstehenden Wahl im September wieder die Urteile der Wahlbürger über die Kandidaten und die Kompetenz der Parteien zu sein. Und da schneidet die SPD wie schon 1994, 2009 und 2013 nicht sonderlich gut ab.

Merkel liegt bei der Kanzlerpräferenz wieder bis zu 30 Prozentpunkte vor Schulz, und die Zahl der Bürger, die der Union die Lösung der anstehenden Probleme zutrauen, ist viermal höher als die Zahl derjenigen, die das von der SPD sagen. Daran hat auch der Programmparteitag der SPD – wie die Ergebnisse der forsa-Erhebungen in der letzten Woche zeigen – wenig geändert: Weder der Kompetenzwert der SPD noch die Präferenzen für die Partei und ihren Kanzlerkandidaten sind nach dem SPD-Parteitag besser geworden.