Eigentlich könnte sich Angela Merkel zurücklehnen: Die Flüchtlingspolitik dominiert nicht mehr die Schlagzeilen (auch wenn die AfD und neuerdings auch die SPD das gerne hätten), der Schulz-Effekt scheint Schnee von gestern, und der langjährigen Kanzlerin wird von vielen zugetraut, auch im Umgang mit internationalen Polterern wie Trump, Putin und Erdoğan gelassen zu bleiben. Doch ein genauerer Blick auf Merkels Wähler zeigt: Sie sind zwar sehr zufrieden mit ihr, inhaltlich liegen sie aber auch häufig auf der Linie der politischen Konkurrenz.


Wer wählt überhaupt CDU? Mehr Männer als Frauen – allerdings ist der Frauenanteil immer noch höher als unter Linken-, FDP- und AfD-Wählern – und mehr Ältere als Junge.

Alter der CDU-Wählerschaft

Knapp ein Drittel der CDU-Wähler hat Abitur; nur die Schwesterpartei CSU und die AfD haben relativ gesehen weniger Wähler mit so hohem Abschluss. Dies mag auch mit der Altersstruktur der CDU-Wähler zusammenhängen: Sie gehören mehrheitlich der Generation 60plus an, einer Altersgruppe, die insgesamt seltener Abitur gemacht hat als jüngere Generationen. CDU-Wähler haben ein höheres Einkommen als die Wähler aller anderen Parteien. Fast ein Drittel der CDU-Wähler haben pro Haushalt mehr als 3.000 Euro netto im Monat. 

Einkommen der CDU-Wählerschaft

Nicht mehr grundsätzlich kritisch gegenüber dem Sozialstaat

Wer wohlhabender ist, hat auch mehr zu verlieren. Zumindest hat die CDU in ihren Landtagswahlkämpfen in jüngster Zeit unter anderem Wohnungseinbrüche thematisiert – und damit wohl tatsächlich eine Sorge ihrer Wähler angesprochen. Für CDU-Wähler ist das wichtigste Thema Schutz vor Kriminalität und Terror; der Kampf gegen Arbeitslosigkeit kommt in der Prioritätenliste der Politikfelder dagegen erst auf Rang 13 von 16 möglichen Themen. Dieses Problem treibt vor allem Wähler der Linken und der AfD (jeweils auf Platz sieben), aber auch SPD-Wähler um (Rang neun). 

Dennoch dominieren auch bei CDU-Wählern sozialpolitische Themenkomplexe die Agenda: Rente (Rang Zwei) und Gesundheitsversorgung (Platz Vier); diese Themen rangieren bei allen befragten Wählern unter den Top Fünf. Das in den beiden vergangenen Jahren so umstrittene Thema Einwanderung und Flüchtlinge, das die Union zwischenzeitlich vor eine Zerreißprobe stellte, folgt für CDU-Wähler erst an fünfter Stelle. Wichtiger ist es dagegen für FDP- und AfD-Wähler (jeweils Platz drei). 

Auch die Steuer- und Wirtschaftspolitik, die die Konservativen gerne als ihre Kernkompetenz hervorkehren, interessiert die CDU-Anhänger nur mäßig: Die Wirtschaftsentwicklung liegt mit Rang acht nur im Mittelfeld der wichtigsten Politikfelder, öffentliche Finanzen und Steuern gar erst im letzten Drittel (Platz 12). CDU-Wähler sind durchaus offen für Eingriffe des Staates in die Wirtschaft, "um wichtige gesellschaftliche Ziele zu erreichen". Die Demoskopen von YouGov folgern: "Gerade bei sozial- und wirtschaftspolitischen Themen ist die Wählerschaft der CDU nicht mehr grundsätzlich wirtschaftsliberal oder kritisch gegenüber dem Sozialstaat eingestellt."

Noch weniger drängend ist aus Sicht von CDU-Wählern das Thema Wohnen (Rang 14), was Anhänger aller anderen untersuchten Parteien außer den Grünen zumindest in die obere Hälfte ihrer Prioritätenliste wählten. Ein Indiz, dass CDU-Wähler eher auf dem Land leben als in den Großstädten, wo bezahlbarer Wohnraum knapp ist und wo die CDU kaum regiert. Zum Leben auf dem Land passt auch die größere Kirchenbindung der CDU-Anhänger, die auf dem Land stärker ist als in den säkulareren Multikulti-Metropolen. Die christliche Wurzel der Partei hat für die meisten nach wie vor eine besondere Bedeutung: 56 Prozent stimmen der Aussage zu "Mein Glaube ist mir wichtig".

Mein Glaube ist mir wichtig.
Hinter diesem Satz versammeln sich 56 Prozent der CDU-Wähler – gegenüber 42 Prozent der übrigen Wähler.

Eine wertkonservative Haltung zeigt sich auch beim Patriotismus. Mit 85 Prozent unterschreiben überdurchschnittlich viele CDU-Wähler den Satz "Ich bin stolz, deutsch zu sein". Die CDU liegt also zumindest mit Blick auf die eigene Wählerschaft richtig mit ihren Leitkulturdebatten und schwarz-rot-goldenen Wahlplakaten, um das Reizthema nicht der AfD zu überlassen.

Ich bin stolz, deutsch zu sein.
85 Prozent der CDU-Wähler stimmen dieser Aussage zu. Wähler anderer Parteien sagen dies nur zu 71 Prozent.

Wie AfD-Anhänger haben CDU-Wähler offenbar nichts gegen einen starken Sicherheitsstaat. Von allen Parteianhängern stimmen sie am stärksten der Aussage zu "Der Staat sollte beim Kampf gegen Terrorismus und Kriminalität ohne Einschränkungen in die Privatsphäre der Bürger eingreifen dürfen". Das sehen Anhänger von Linken und Grünen deutlich anders – nicht aber Wähler der Liberalen, die immerhin auch als Bürgerrechtspartei auftreten.

Terrorbekämpfung um jeden Preis