Außenminister Sigmar Gabriel hat die Verantwortlichen für die Ausschreitungen während des G20-Gipfels in Hamburg als "Terroristen" bezeichnet. Im Schanzenviertel der Hansestadt seien "Schwerverbrecher, von mir aus auch Terroristen" am Werk gewesen, sagte der Vizekanzler dem Focus. Diesen "gewalttätigen Kriminellen" dürfe nicht die Ehre erwiesen werden, ihnen politische Motive zu unterstellen. "Der Begriff 'linke Aktivisten' ist eine unverantwortliche Verharmlosung", sagte der SPD-Politiker.

Während des G20-Gipfels waren Randalierer durch Hamburg gezogen, hatten Scheiben zertrümmert, Autos angezündet und Läden verwüstet. Fast 500 Polizisten und eine unbekannte Zahl von Demonstranten wurden verletzt. Die Stadt hat inzwischen einen Härtefallfonds für Billigkeitsentschädigungen bei der Investitions- und Förderbank eingerichtet, an dem sich auch die Bundesregierung beteiligt. Hamburg stellte zehn Millionen Euro an Hilfe für die Geschädigten der Krawalle zur Verfügung.

Kurz nach den Krawallen waren Vorwürfe gegen die Sicherheitsbehörden und ihren obersten Repräsentanten, Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, erhoben worden. Dieser entschuldigte sich am Mittwoch in einer Regierungserklärung bei den Einwohnern der Hansestadt und wies die Verantwortung für die Gewalt einem "kriminellen Mob" zu. Ähnlich wie Gabriel sprach sein Parteikollege Scholz von skrupellosen und völlig enthemmten Gewalttätern, die mit einer "unvorstellbaren Brutalität und guerillaartigem Vorgehen in radikalen Kleingruppen quasimilitärisch an verschiedensten Orten der Stadt wahllos gewütet" haben. Mit diesem Typus marodierender Straftäter hätten die Behörden nicht gerechnet.

Zu den Rücktrittsforderungen aus der Hamburger CDU äußerte sich Scholz nicht. Dafür griff nun der einstige SPD-Vorsitzende Gabriel die Union an. Für ihn ist der Vorwurf von CDU und CSU, dass sich seine Partei nicht eindeutig von Linksterrorismus oder -extremismus distanziere, "so skandalös, dass wir Mühe haben, dabei ruhig zu bleiben", sagte der Vizekanzler dem Focus und warf der Union vor, die Menschen im Bundestagswahlkampf manipulieren zu wollen. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nannte dies "nicht akzeptabel" und "beleidigend".