Im Streit um nachträglich entzogene Journalistenakkreditierungen beim G20-Gipfel fordert der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir Aufklärung von der großen Koalition. "Ich will von der Bundesregierung wissen, ob es bei der Zulassung von Journalisten zum G20-Gipfel irgendeine geheimdienstliche Zusammenarbeit mit der Türkei oder Russland gab", sagte Özdemir der Rheinischen Post. "Wenn das tatsächlich so sein sollte, dann muss das Konsequenzen haben, dann wäre das ein Skandal."

Weder die Türkei noch Russland dürften mitentscheiden, ob in Deutschland Journalisten für ein wichtiges Ereignis akkreditiert werden, sagte Özdemir und fügte hinzu: "Sowohl bei Frau Merkel als auch bei Herrn Gabriel habe ich das Gefühl, dass sie immer noch kuschen vor Erdoğan und nicht mit durchgedrücktem Rücken Klartext reden."

Gesperrte Journalisten berichteten aus Kurdengebieten

Mindestens vier der 32 Medienvertreter, denen beim G20-Gipfel vergangene Woche nachträglich die Akkreditierung entzogen wurde, sollen zuvor in den Kurdengebieten im Südosten der Türkei gearbeitet haben. Das geht aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung hervor. Demnach seien zwei von ihnen 2014 von einer Antiterroreinheit in der Kurdenhochburg Diyarbakır festgenommen worden. Die beiden wegen Spionageverdachts festgehaltenen Fotografen sollen der Zeitung zufolge erst nach einer Intervention des Auswärtigen Amts freigekommen sein.

Neun Journalisten war nach Angaben der Bundesregierung nachträglich die Akkreditierung entzogen worden. 23 weitere Medienvertreter erschienen laut Regierungssprecher Steffen Seibert nach einem entsprechenden Hinweis gar nicht erst am Medienzentrum. Den Entzug der Zutrittserlaubnis begründete Seibert mit "Sicherheitsbedenken". Das Bundespresseamt habe auf Anraten und in Absprache mit dem Bundeskriminalamt entschieden, diesen Personen die Akkreditierung zu entziehen, sagte der Sprecher. Etwa 5.000 Journalisten waren zum Gipfel zugelassen.

Hat die Türkei Einfluss genommen?

Es besteht der Verdacht, dass Informationen türkischer Sicherheitsbehörden Anlass für die Entscheidungen gegen die Journalisten gewesen sein könnten. Seibert dementierte diese Vorwürfe. Die Sicherheitsbedenken seien ausschließlich aus eigenen Erkenntnissen deutscher Behörden resultiert. Warum die betroffenen Medienvertreter als mögliche Gefahr eingestuft wurden, sagte er nicht. Laut dem Bericht der Süddeutschen Zeitung hatten die US-Behörden nach einer eingehenden Prüfung der Liste mit den Medienvertretern keine Vorbehalte gegen die 32 betroffenen Journalisten geäußert.