Manuela Schwesig ist zur neuen Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern gewählt worden. In einer Sondersitzung des Parlaments in Schwerin erhielt die SPD-Politikerin 40 von 70 gültigen Stimmen und ist damit die erste Frau an der Spitze einer Landesregierung im Nordosten. Personelle Änderungen stehen nicht an: Schwesig will alle Minister im SPD-geführten Kabinett – auch jene des Koalitionspartners CDU – übernehmen.

Die 43-Jährige tritt die Nachfolge von Erwin Sellering an, der wegen einer schweren Krebserkrankung vorzeitig auf seine Spitzenämter in Partei und Regierung verzichtete. Der 67-Jährige gilt als Förderer Schwesigs und hatte sie auch als seine Nachfolgerin in beiden Funktionen vorgeschlagen.

Die Diplom-Finanzwirtin gehörte als Landessozialministerin zwischen 2008 und 2013 dem vorherigen Sellering-Kabinett an und sorgte in ihrem Ressort unter anderem dafür, dass die Kinderbetreuung ausgebaut werden kann. Diesem Themenbereich blieb sie treu, als sie 2013 als Bundesfamilienministerin nach Berlin wechselte. Dort machte sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu einem ihrer Hauptanliegen und setzte sich unter anderem für den Ausbau von Kitaplätzen und für höhere Qualität in der Betreuung ein. Zugleich drückte sie die Frauenquote für Führungspositionen in börsennotierten Unternehmen durch sowie das Gesetz zur Lohngerechtigkeit.

Auch in ihrer Partei machte Schwesig Karriere. 2003 trat sie in die SPD ein, stieg 2005 in den Landesvorstand auf und ist nun Landesvorsitzende. Seit 2009 ist sie stellvertretende Bundesvorsitzende und gilt als wichtigste Stimme der SPD in Ostdeutschland. Mit ihren Themen Frauenrechte, Kinderförderung, Altenpflege sollte sie eine entscheidende Rolle im Bundestagswahlkampf der SPD spielen. Allerdings zog sie wegen des Wechsels in die Landespolitik ihre Kandidatur für den Bundestag zurück.

Schwesig wurde 1974 in Frankfurt (Oder) geboren und wuchs im brandenburgischen Seelow auf. Nach ihrer Heirat zog sie im Jahr 2000 nach Schwerin, wo sie zunächst im Finanzamt, dann im Finanzministerium arbeitete und bis heute mit ihrer Familie lebt.