Der G20-Gipfel beginnt erst kommenden Freitag, doch die Proteste dagegen haben schon jetzt begonnen. Zu einer ersten großen Demonstration am Sonntag kamen in der Hamburger Innenstadt nach Polizeiangaben etwa 10.000 Menschen. Gewerkschaften, Umweltverbände und andere Initiativen hatten zu der Veranstaltung unter dem Motto "G20 Protestwelle" aufgerufen.

Die Teilnehmer forderten mehr Engagement für den Klimaschutz und eine gerechtere Globalisierung. Sie trugen Transparente mit Aufschriften wie "Planet Earth first", "Kohle stoppen" und "Armut bekämpfen". Es war die erste von etwa 30 Demonstrationen, die bis zum Ende des G20-Gipfels angekündigt sind.

Nach einer Auftaktkundgebung auf dem Rathausmarkt ging der Protestmarsch durch die Hamburger Innenstadt. Dabei blieb es nach den Worten eines Polizeisprechers "völlig friedlich".

Zu dem Protest gehörte auch eine Bootsdemo auf der Binnenalster. Veranstalter sind der Deutsche Gewerkschaftsbund, Greenpeace, WWF, Nabu, Campact, Oxfam und andere Organisationen.

Aktivisten von Greenpeace demonstrierten außerdem im Hamburger Hafen für den Ausstieg aus klimaschädlicher Kohleverstromung. Unter anderem schrieben sie in zwei Meter großen Buchstaben "End Coal" an die Bordwand eines Kohlefrachters, der nach Greenpeace-Angaben etwa 75.000 Tonnen Steinkohle aus Russland nach Hamburg lieferte. Die Polizei überprüfte beteiligte Aktivisten und stellte mehrere Boote sicher. Festnahmen gab es aber nicht.

"Welcome to hell"

Die Sicherheitsbehörden bereiten sich seit Wochen auf den Gipfel vor. Tausende Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet und Spezialeinheiten sollen das internationale Politikertreffen mit Polizeihubschraubern, Reiterstaffeln und 3.000 Fahrzeugen schützen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte ein hartes Vorgehen gegen gewaltbereite Demonstranten an. Er rechnet mit 8.000 von ihnen, die zum Gipfel nach Hamburg reisen. Am Tag vor dessen Beginn plant die linksmilitante Szene einen Protest unter dem Motto "Welcome to hell".

Einige Aktivisten bauten bereits ihre Zelte in einem Protestcamp im Elbpark Entenwerder im Stadtteil Rothenburgsort auf. Ein Sprecher von ihnen beschwerte sich aber, dass die Versammlungsbehörde sie nur auf ein Viertel der beantragten Fläche gelassen habe und den Aufbau von Waschgelegenheiten, Toiletten und Küchen verbiete. Von der Polizei hieß es, sie wolle nichts genehmigen, was der Übernachtung diene. Aus Protest bauten die Aktivisten Zelte an der Zufahrt auf.

Zuvor hatte das Hamburger Verwaltungsgericht das Camp etwa drei Kilometer südöstlich der Innenstadt genehmigt, wie eine Gerichtssprecherin mitgeteilt hatte. Allerdings kann die Polizei noch Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen, sollte sie Sicherheitsbedenken haben.

G20-Gipfel: Die aktuelle Verkehrslage in Hamburg

Das Bundeskriminalamt befürchtet, dass Linksextreme aus anderen Ländern anreisen könnten, die über "Protesterfahrungen verfügen, die sich von denen der hiesigen linken Szene unterscheiden und darüber hinausgehen". Das zitiert die Welt am Sonntag aus einer internen Gefährdungsbewertung des BKA. Die Behörde warnt demnach vor schweren Brandstiftungen und Sabotageakten gegen Einrichtungen der Infrastruktur. Die Hamburger Polizei rechnet der Zeitung zufolge damit, dass die Stromversorgung lahmgelegt werden könnte. 

Merkel spricht von "Win-win-Situation" für alle

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte angekündigt, jegliche gewalttätigen Ausschreitungen strafrechtlich zu ahnden. Im Stadtteil Harburg richtet die Polizei eine zentrale Gefangenensammelstelle ein, in der 120 Einzel- und Sammelzellen für bis zu 400 Festgenommene bereitstehen.

Hamburg tue "alles Menschenmögliche" für die Sicherheit seiner Gäste und seiner Bürger, sagte der Bürgermeister der Stadt, Olaf Scholz (SPD), dem Tagesspiegel. Er warnte vor überzogenen Erwartungen an den Gipfel. Es sei schon überhaupt gut, dass die Politiker miteinander redeten. Scholz hofft, dass die Weltgemeinschaft die USA und deren Präsidenten Donald Trump davon überzeugen könne, dass der Klimawandel ernst genommen werden müsse und fairer Freihandel am Ende allen mehr Wohlstand bringe.

Zum G20-Gipfel kommen die 20 Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in ihrer wöchentlichen Videobotschaft, beim Gipfel gehe es um nachhaltiges Wachstum. Daraus könne man eine "Win-win-Situation" für alle machen. Merkel forderte "Klimaschutzabkommen, offene Märkte, verbesserte Handelsabkommen, in denen auch Verbraucherschutz, Sozialstandards, Umweltstandards enthalten sind".