Deutsche Geheimdienste gehen nach Informationen der ZEIT Hinweisen nach, wonach Russland gezielt Rechtsextremisten sowie Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) benutzt, um die Politik des Kreml in abtrünnigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu legitimieren. 

Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht das Deutsche Zentrum für Eurasische Studien in Berlin, das 2016 vom Chefredakteur der rechtsextremen Zeitschrift Zuerst!, Manuel Ochsenreiter, zusammen mit dem AfD-Funktionär Markus Frohnmaier gegründet worden ist. Ochsenreiter organisiert seit mehreren Jahren Wahlbeobachtermissionen für Landtagsabgeordnete der AfD in separatistische Gebiete wie den Donbass, nach Bergkarabach oder in die Ukraine. 

Mindestens elf Parlamentarier der AfD sind seit 2014 zu inoffiziellen Wahlbeobachtermissionen gereist und haben so der umstrittenen russischen Außenpolitik den Anstrich internationaler Legitimität gegeben. Bezahlt wurden die Reisen nach Recherchen der ZEIT teilweise von der jeweiligen pro-russischen Regierung oder kremlnahen Think Tanks.  

Eine wichtige Rolle spielte dabei der Mitgründer des Deutschen Zentrums für Eurasische Studien, Mateusz Piskorski, der im vergangenen Jahr in Polen als mutmaßlicher russischer Agent festgenommen worden war. Deutschen Geheimdiensten lägen Hinweise vor, wonach mindestens eine von Piskorski organisierte Reise auf die Krim "durch russische Nachrichtendienste gesteuert oder zumindest maßgeblich beeinflusst wurde", heißt es in einer Expertise für das Kanzleramt. Die Regierung in Moskau fördere gezielt "Parteien aus dem rechten Lager, die für populistische Ziele werben und für gute Beziehungen zu Russland einstehen".

Die Pseudo-Wahlbeobachtungen sind umstritten. Kritiker werfen der russischen Regierung vor, die Abstimmungen in Ländern von autoritären pro-russischen Regierungen durch eigene westliche Beobachter legitimieren zu wollen. Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), kritisiert die AfD-Abgeordneten massiv für ihre Teilnahme: "Durch ihren Besuch werden die Mandatsträger der AfD zu Marionetten der russischen Regierung", sagte Lambsdorff der ZEIT.

Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel wollte sich gegenüber der ZEIT nicht zu den Vorwürfen äußern. Der AfD wird seit längerer Zeit vorgeworfen, sie kooperiere mit der russischen Regierung. Die Parteivorsitzende Frauke Petry etwa war im Februar auf Einladung der Regionalregierung Moskau nach Russland gereist. Für ihre Gespräche mit radikalen russischen Abgeordneten war sie kritisiert worden.