Fast die Hälfte der Wähler hat sich noch nicht für eine Partei bei der Bundestagswahl entschieden. Das hat eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ergeben. Mit 46 Prozent sei der Anteil der Unentschiedenen einen Monat vor der Abstimmung so hoch wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. Vor der Wahl 2013 waren es demnach zum selben Zeitpunkt 39 Prozent, bei den zwei Wahlen zuvor etwa ein Drittel.

Ebenfalls ungewöhnlich hoch ist dem Blatt zufolge der Anteil derjenigen, die die Wahl bereits einen Monat vor dem Wahltag für entschieden halten. Vor der Wahl 2009 lag der Anteil bei 26 Prozent, in diesem Jahr sind es 45 Prozent. Das mag dazu beitragen, "dass die Mehrheit den Wahlkampf bisher als uninteressant empfindet, auch die Mehrheit des politisch interessierten Teils der Bevölkerung", schreibt die Meinungsforscherin Renate Köcher in der FAZ. Nur elf Prozent hätten angegeben, dass sie sich oft über die Wahl unterhalten.

Dabei sei der Ausgang nicht so eindeutig, wie viele annehmen. Laut Köcher gebe es derzeit eine Mehrheit für eine Koalition aus Union und FDP. Wegen der vielen Unentschlossenen sei es jedoch schwierig, zu diesem Zeitpunkt ein Wahlergebnis aus den Umfragen herzuleiten.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.

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