Sozialdemokraten fordern nach Donald Trumps umstrittenen Aussagen zu der politischen Gewalt in Charlottesville schärfere Kritik am US-Präsidenten. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Nachgiebigkeit vor. Trump begehe systematisch Tabubrüche und umgebe sich mit Beratern, die "schieren Hass gesät" hätten. "Meine Erfahrung ist: Solche Typen brauchen klare Ansagen", sagte Schulz der Frankfurter Rundschau.

Schulz kritisierte insbesondere Merkels Satz: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei." Diese Äußerung sei zu schüchtern. Der SPD-Chef erklärte: "Ich bin überzeugt, dass man bei Trump mehr erreicht, wenn man ihm unumwunden sagt: 'Pass auf, so läuft das nicht.'"

Trump wird derzeit national und international dafür kritisiert, sich nicht ausreichend von rechtsextremer Gewalt in Charlottesville distanziert zu haben. Der Präsident macht auch eine Gegendemonstration für die Eskalation verantwortlich.

Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wirft Trump vor, die rechte Gewalt unzulässigerweise relativiert zu haben. "Natürlich ist eine Gleichsetzung beider Seiten statt einer klaren Distanzierung vom nazistischen Potenzial, das sich da gezeigt hat, ein Riesenfehler", sagte er. "Und sie ist auch falsch. Und das zeigt eben, wie verwoben ein Teil der Unterstützer Trumps mit der rechtsradikalen Szene der Vereinigten Staaten ist. Sein Chefideologe Steve Bannon steht ihnen nahe."

Laut Gabriel zeigen die Ereignisse, "was passiert, wenn man denen freien Lauf lässt". Daraus solle man auch in Europa Lehren ziehen. Er zog eine Parallele zur Diskussion nach den G20-Krawallen in Hamburg. "Wir haben auch bei uns erlebt, dass es zu einer Gleichsetzung gekommen ist, und dass versucht worden ist, das politisch gegen die SPD zu instrumentalisieren", sagte er. "Und das, obwohl wir hier einen echten Rechtsterrorismus und keinen vergleichbaren Linksterrorismus haben."

Am Samstag war bei rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville ein Mann mit dem Auto in eine Gegendemonstration gefahren, eine Frau wurde erfasst und getötet. 19 Menschen wurden verletzt. Vorher war es zu Ausschreitungen gekommen.