Der Linken-Politiker Gregor Gysi ruft seine Partei zu Kompromissen auf, um eine rot-rot-grüne Koalition im Bund möglich zu machen. "Wir sollten SPD und Grünen ein klares Angebot machen", sagte Gysi dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der ehemalige Linken-Fraktionschef will etwa in strittigen Fragen der Außenpolitik auf die beiden Parteien zugehen. Ein Kompromiss könnte sein, "nicht sofort alle Bundeswehrsoldaten aus dem Ausland abzuziehen".

Ihm sei klar, dass ein sofortiger Abzug, wie ihn seine Partei befürwortet, in einer Koalition nicht durchsetzbar sei. Wenn aber in Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen "lauter Schritte in die richtige Richtung vereinbart werden, die nur kürzer sind, als wir uns das vorgestellt haben, dann ist das ein tragfähiger Kompromiss", sagte er. "Wir müssen Wege finden, aufeinander zugehen, verhandeln." Die Linke wolle regieren. "An uns sollte es nicht scheitern."

Die Linke-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht hatte sich zuletzt zu rot-rot-grünen Sondierungsgesprächen bereit erklärt, falls es nach der Wahl eine Option dafür gebe. Sie erklärte aber auch, ihre Partei sei nicht zu weiteren Rentenkürzungen, einem Fortbestehen des Niedriglohnsektors und der Fortsetzung von Kriegseinsätzen bereit. SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz hat Rot-Rot-Grün bisher weder befürwortet noch ausgeschlossen. Bei der Landtagswahl im Saarland hatte er sich offen für eine rot-rote Koalition gezeigt, was offenbar viele SPD-Wähler verschreckte.

Gregor Gysi - »Man muss den Zeitgeist verändern« Was kann die Linke tun, damit Rot-Rot-Grün im Herbst eine Chance hat? Gregor Gysi sagt, was seiner Partei fehlt. © Foto: Zeit Online

Bislang gibt es große inhaltliche Differenzen zwischen SPD, Linken und Grünen – insbesondere in der Außen- und Verteidigungspolitik. Umfragen sehen derzeit keine Mehrheit für Rot-Rot-Grün. Laut einer aktuellen Erhebung des Instituts Emnid käme eine solche Koalition nur auf 41 Prozent der Stimmen (SPD 23 Prozent, Linke 10, Grüne 8).

Gysi ermahnte seine eigene Partei, "die Mitte der Gesellschaft" nicht zu vergessen. "Das ist uns nicht immer gelungen", sagte der frühere Linken-Fraktionschef. "Wir müssen auch wieder die Partei der deutschen Einheit werden." Die Benachteiligung des Ostens sei gravierender, als viele dächten. "Wir waren da in den vergangenen Jahren nicht mehr kämpferisch genug."