Martin Schulz will den Abzug der US-Atomwaffen in Deutschland erreichen, sollte er als Gewinner aus der Bundestagswahl im September hervorgehen. "Ich werde mich als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland dafür einsetzen, dass in Deutschland gelagerte Atomwaffen – und wenn sie in Rheinland-Pfalz gelagert sind, dann die in Rheinland-Pfalz gelagerte Atomwaffen – abgezogen werden", sagte der SPD-Kanzlerkandidat bei einer Wahlkundgebung in dem Bundesland. Unbestätigten Informationen zufolge lagern bis zu 20 US-Atomwaffen auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst in Büchel in der Eifel.

Zudem werde eine Regierung mit Schulz an der Spitze eine Rüstungsbegrenzungsinitiative ergreifen. "Es kann nicht sein, dass die Bundesrepublik Deutschland kommentarlos und tatenlos zusieht, wie eine Aufrüstungsspirale, die von (US-Präsident Donald) Trump gewollt ist, immer weiter sich entwickelt", sagte Schulz. "Der Nordkorea-Konflikt weist mehr denn je darauf hin, dass Rüstungsbegrenzung und insbesondere nukleare Abrüstung dringend erforderlich sind, mehr als je zuvor."

Der derzeitigen Bundeskanzlerin Angela Merkel warf Schulz erneut vor, sie wolle 30 Milliarden Euro zusätzlich für die Aufrüstung der Bundeswehr ausgeben, um wie von Trump gefordert das Nato-Ziel von Rüstungsausgaben in Höhe von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu erreichen. "Wir lehnen diese Aufrüstungsspirale ab", bekräftigte Schulz. Das Geld solle stattdessen beispielsweise für Schulen, die Entwicklung des ländlichen Raumes und eine Verbesserung von Infrastrukturen ausgegeben werden.

Die Union kritisierte Schulz' Forderung nach einem Abzug der in Deutschland gelagerten US-Atomwaffen: "Sicherheitspolitik ist ein sehr komplexes Thema, das sich nicht für Marktplatzpolemik eignet", sagte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU im Bundestag, Jürgen Hardt. "Der Kanzlerkandidat der SPD wäre gut beraten, Deutschlands Einbindung in die internationale Sicherheitsarchitektur nicht um der Effekthascherei willen infrage zu stellen." Allerdings bekannte auch Hardt sich langfristig zu "dem Ziel einer nuklearwaffenfreien Welt in Frieden und Sicherheit". Vorerst bleibe jedoch "eine glaubhafte nukleare Abschreckung ein wichtiger Bestandteil der Sicherheitsarchitektur innerhalb der Nato".

Die Grünen begrüßten dagegen die Pläne von Schulz. Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt warf der SPD aber vor, sie habe bislang jegliches Engagement in dieser Hinsicht vermissen lassen. "Deutschland muss endlich atomwaffenfrei werden", forderte Göring-Eckardt. Sie erinnerte auch daran, dass es schon 2010 einen von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen unterstützten Bundestagsbeschluss gegeben habe, in dem sich das Parlament mit breiter Mehrheit für einen Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland eingesetzt hatte. Hintergrund war damals eine Initiative von US-Präsident Barack Obama zur atomaren Abrüstung gewesen.