Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat vor dem Treffen der Dieseltechnik sein Vertrauen ausgesprochen. Er sei davon überzeugt, "dass wir den Diesel als Übergangstechnologie brauchen und es den sauberen Diesel gibt", sagte er der ZEIT. Er selbst habe sich erst kürzlich ein Dieselauto gekauft.

Sein Parteikollege Cem Özdemir (Grüne) forderte, Dieselautos im Zweifel auszutauschen. "Freiwillige Zusagen reichen nach diesen Skandalen, nach diesem immensen Glaubwürdigkeitsverlust der Automobilindustrie nicht mehr aus", sagte er. Wenn Softwareupdates nicht genügten und Nachbesserungen an den Bauteilen nicht möglich seien, "dann muss das Fahrzeug ersetzt werden". Um eine Chance für bundesweit einheitliche Regelungen für Fahrbeschränkungen zu haben, müsse außerdem die blaue Plakette für saubere Diesel ein Ergebnis des Spitzentreffens sein.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) warf der Autoindustrie vor, über viele Jahre "massive Fehler" begangen zu haben. Die Branche stehe vor einer Zäsur, sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Fahrverbote aber müssen vermieden werden, forderte Weil. Zugleich sei es aber wichtig, die sechs Millionen Fahrzeuge der alten Abgas-Euro-Normen 1 bis 4 von den Straßen zu bekommen. Es gelte, schneller zu werden bei der Modernisierung der Fahrzeugflotte – "insbesondere in Richtung Elektroautos". Özdemir sieht hier die Industrie in der Pflicht. Eine Lösung für ältere Diesel vorzuschlagen, sei nicht "vornehmste Aufgabe der Opposition", sagte der Grünen-Chef. "Die Automobilindustrie hat uns das eingebrockt. Sie steht jetzt auch in der Pflicht, Lösungen zu präsentieren."

Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (CDU) will die Konzerne für die Kosten einer umweltgerechten Nachrüstung von Dieselfahrzeugen zahlen lassen, warnt aber zugleich vor einer Gefährdung der Branche. Das Treffen von Politik und Konzernen müsse daher auch das Signal senden: "Wir wollen den Diesel retten", teilte Laschet im ZDF mit. Die Frage, wie viel die Industrie für die Nachrüstung zahlen soll und wie die Nachrüstung aussehen soll, ist strittig und eines der Hauptthemen beim Dieselgipfel.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erwartet von der Autoindustrie ein Sofortprogramm. "Wir werden die Automobilbranche in die Pflicht nehmen, denn die Verbraucher dürfen nicht auf den Schäden sitzen bleiben." Menschen hätten sich einen Diesel gekauft, in der sicheren Annahme, dass sie ein umweltfreundliches und sparsames Auto fahren. Die Autofahrer dürften jetzt nicht "die Zeche für die Tricksereien von Autoherstellern zahlen".

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will Extrakosten für die Autofahrer vermeiden. Er erwarte ein "akzeptables Angebot der Automobilindustrie". Wie er der Passauer Neuen Presse sagte, sei für ihn völlig klar, dass die Industrie die Kosten tragen müsse. 

Spruchbanner am Ministerium

Dies betont auch der Deutsche Städtetag. "Der Städtetag geht mit der klaren Erwartung in den Dieselgipfel, dass die Automobilindustrie Lösungen dafür auf den Tisch legt und diese Lösungen auch finanziert", betonte die Verbandspräsidentin Eva Lohse. Die Städte wollten die Gesundheit der Menschen schützen und dabei nach Möglichkeit Fahrverbote vermeiden, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. Der Deutsche Städtetag nimmt als Vertretung der Kommunen am Dieselgipfel teil.

Auch Umweltschützer fordern umfassende Maßnahmen. Laut Greenpeace-Verkehrsexperten Benjamin Stephan müssen die Hersteller vor allem die Hardware optimieren, "Software-Schminke alleine kann den schmutzigen Diesel nicht aufhübschen". Vor Beginn des Dieselgipfels hatte die Umweltorganisation zudem am Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur protestiert. Aktivisten seilten sich vom Dach des Gebäudes ab und platzierten ein Spruchbanner an der Fassade.