"Neue Ideen" brauche die Zukunft. Und die könne nur einer durchsetzen, findet die SPD. Ihr Kanzlerkandidat Martin Schulz, natürlich. Der schaut mit treuen blauen Augen von einem der ersten Großplakate, die die Sozialdemokraten am Dienstag in Berlin vorgestellt haben und die bald im ganzen Land hängen sollen. Schulz lächelt leicht, nicht zu sehr. Zugewandt und durchsetzungsstark soll das wohl wirken.

Die Vorstellung der sozialdemokratischen Kampagne zeugt allerdings mehr von Selbstvergewisserung als von Siegesmut. "Es ist Zeit für Wahlkampf in Deutschland", sagt Generalsekretär Hubertus Heil, der vor roten Bannern mit der Aufschrift Zeit für mehr Gerechtigkeit steht und heute ein Headsetmikrofon trägt, damit er sich freier von einem Plakat zum nächsten bewegen kann. "Wahlkampf ist für eine Demokratie lebensnotwendig", schiebt er später hinterher. Wahlen, sagt Heil dann noch zweimal für die, die es noch nicht mitbekommen haben, würden ganz am Schluss entschieden.

Sieben Wochen vor der Bundestagswahl liegt die SPD in den Umfragen 14 Prozentpunkte hinter der Union. Sie ist dennoch fest entschlossen, sich ihre Laune nicht verderben zu lassen. Im Gegensatz zu den "läppischen Plakaten" der CDU, die selbstbewusst auf Deutschlandfarben setzt, sei die SPD konzeptionell und programmatisch ganz wunderbar aufgestellt, betont Heil.

Fünfmal Dauerbrenner

Neben dem Großplakat mit "Gottkanzler Schulz", wie sie ihn vor vielen Monaten einmal im Internet nannte, wirbt die SPD gemeinsam mit der Hamburger Werbeagentur KNSK zunächst auf fünf Großplakaten mit den Themen Familie, Rente, Lohngleichheit für Frauen, Innovation und Bildung.

Heraus sticht in der Genossengalerie lediglich ein träumerischer Hipster mit Lockenkopf, der neben einem Roboter sitzt und sich eine "Politik, die in Ideen investiert" wünscht. Schon klassisch sozialdemokratischer, aber für manche Männer vielleicht immer noch eine Provokation, ist die Facharbeiterin mit Schallschutzkopfhörern, die daran erinnert, dass es nicht sein kann, dass sie 21 Prozent weniger verdient als ihr Kollege.

Selbst das Pink ist weg

Durch und durch sozialdemokratisch sind dagegen das von den Hausaufgaben genervte Kind ("Bildung darf nichts kosten"), die lachende Seniorin (die sich eine gute Rente wünscht) und die frechen, süßen Geschwister, die für eine "laute" Familienpolitik schreien.

Wirklich konkrete Aussagen fehlen, ebenso kontroverse Themen wie Europa und Einwanderung, und das obwohl Kandidat Schulz doch derzeit so oft fordert, hier müsse sich die Politik ehrlich machen. Selbst die fröhlich schreienden Kinder auf dem Wahlplakat waren der SPD schon fast zu viel, verrät Generalsekretär Heil: "Ich habe mich gefragt, können wir das den Menschen zumuten? So stressig laute Kinder?" Es ist wohl scherzhaft gemeint.

In Farbe und Stil unterscheiden sich die Plakate kaum vom Wahlkampf 2013, als es noch hieß: "Wir für mehr Kitaplätze", "Wir für gesetzlichen Mindestlohn", "Wir für bezahlbare Mieten" sowie "Wir für ein Alter ohne Armut". Damals war dem SPD-Rot noch ein Hauch Pink untergemischt, das nun wieder dem klassischen Auftritt gewichen ist.