Im Konflikt um deutsche Staatsbürger, die in der Türkei aus politischen Gründen inhaftiert sind, drängt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz auf ein Ultimatum. Die Bundesregierung könne die Ausweitung der Zollunion als Druckmittel verwenden. Sein Parteikollege Sigmar Gabriel hatte am Vortag gesagt, er sehe derzeit kaum eine Chance, die Deutschen zu befreien.

"Wir sollten dem türkischen Präsidenten eine Frist setzen", sagte Schulz der Rheinischen Post. "Wenn Herr Erdoğan nicht unverzüglich die deutschen Gefangenen freilässt, muss die EU die Verhandlungen mit der Türkei über eine Ausweitung der Zollunion abbrechen." Dies würde das Land hart treffen, aber Präsident Recep Tayyip Erdoğan scheine keine andere Sprache zu verstehen. Auch die EU-Beitrittshilfen müssten dann gestoppt werden. 

Zwischen der EU und der Türkei besteht seit 1996 eine Zollunion. Sie erleichtert türkischen Unternehmen den Zugang zum EU-Markt, die türkische Regierung hat großes Interesse daran, sie auszuweiten. Schulz war vor seiner Kanzlerkandidatur fünf Jahre lang Präsident des EU-Parlaments.

Die Inhaftierungen der Journalisten Deniz Yücel und Meşale Tolu Çorlu sowie des Menschenrechtlers Peter Steudtner sind ein zentraler Konfliktpunkt in den angespannten Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei. Alle drei sind wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft. Yücel, der am 27. Februar in Untersuchungshaft genommen wurde, wird zudem Volksverhetzung vorgeworfen. Außer diesen drei prominenten Fällen sitzen noch weitere Deutsche in türkischen Gefängnissen.