Die Bearbeitungsdauer von Asylverfahren ist einem Medienbericht zufolge weiter gestiegen. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres betrug die durchschnittliche Dauer 11,7 Monate, wie aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht, die der Funke Mediengruppe vorliegt. Im ersten Quartal hatte die Dauer im Schnitt bei 10,4 Monaten gelegen.

Besonders betroffen sind laut dem Papier Menschen aus der Demokratischen Republik Kongo; sie mussten durchschnittlich 17,2 Monate auf ihren Asylbescheid warten. Danach kommen Antragsteller aus der Russischen Föderation mit 16,3 und Nigeria mit 15,1 Monaten. Unabhängig vom Herkunftsland dauerte es bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen besonders lange. Sie warteten im Schnitt 11,8 Monate auf den Abschluss ihres Verfahrens. Am schnellsten wird über die Anliegen der Syrer entschieden, für sie brauchte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) durchschnittlich 7,8 Monate.  

Hinzu kommt, dass vom Tag der Einreise bis zur Asylantragstellung durchschnittlich 4,5 Monate vergehen. Doch nicht alle Asylbewerber müssen mehr als ein oder gar zwei Jahre warten. Die Präsidentin des Bamf, Jutta Cordt, hatte im Juni gesagt, dass ihre Behörde für die Bearbeitung neu gestellter Asylanträge nur noch 1,4 Monate brauche. Die hohe Durchschnittsdauer liege an der Abarbeitung schwieriger Altfälle. Im Regierungspapier, aus dem die Funke Mediengruppe nun zitiert, heißt es zudem: "Nach Abschluss des Rückstandabbaus wird das Bamf, außer bei sehr komplexen Fällen, kurze Bearbeitungsdauern sicherstellen können."

"Gift für die Integration"

Die langen Verfahren werden von der Linksfraktion kritisiert. Deren innenpolitische Sprecherin, Ulla Jelpke, sagte: "Überlange Asylverfahren sind für die Betroffenen unzumutbar und Gift für die Integration." Sie warf Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vor, zu spät das Bamf-Personal verstärkt zu haben.

Im gesamten Jahr 2016 brauchte das Bamf durchschnittlich 7,1 Monate, um über einen Asylantrag zu entscheiden. Im September des Vorjahres hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder auf das Ziel verständigt, ein Asylverfahren in drei Monaten abzuschließen.

Neue Qualitätskontrollen

Die Asylverfahren sollen nicht nur schneller, sondern auch weniger fehleranfällig werden. Dazu hat das Bamf ein dreistufiges System der Qualitätskontrolle eingeführt. Es zieht damit Konsequenzen aus dem Fall des terrorverdächtigen Bundeswehrsoldaten Franco A., der sich als syrischer Flüchtling ausgeben konnte, obwohl er nicht einmal Arabisch sprach. Eine der wichtigsten Neuerungen seien Checklisten nach jedem Verfahrensschritt, sagte Bamf-Präsidentin Cordt.

"Wenn ich zum Beispiel eine Aktenanlage mache, muss die erkennungsdienstliche Behandlung durchgeführt sein, gegebenenfalls die Spracherkennung erfolgt und das Handy ausgelesen sein." Erst wenn alle Schritte erfüllt seien, könne es weitergehen – etwa mit der Anhörung. Außerdem kontrolliere ein zweiter Bamf-Mitarbeiter die Prozesse von zehn Prozent der Asylfälle. Bevor ein Verfahren weitergehen könne, werde jeder Teilschritt nochmals nachvollziehbar kontrolliert, sagte Cordt.