Warum ich nicht Die Linke wählen kann

Vor knapp zwei Wochen sprach Oskar Lafontaine, Spitzenpolitiker der Linken, auf einer Kundgebung gegen amerikanische Raketen. Er zitierte Theodore Roosevelt, der gesagt haben soll: "Hinter der angeblichen Regierung steht eine unsichtbare Regierung" – gemeint war das Großkapital. Lafontaines Kommentar: "Wir haben nach wie vor eine unsichtbare Regierung, die in Wirklichkeit die Geschicke dieser Welt bestimmt." Nun, Lafontaine ist gebildet genug, um zu wissen, dass diese Wortwahl nicht nur linke, sondern auch rechtsextreme Eigenfrequenzen mitschwingen lässt. Außer Lafontaine sprach auf der genannten Veranstaltung übrigens auch ein Verschwörungstheoretiker mit Verbindungen zum Rechtsextremismus.

Andere Funktionäre der Linken unterstützen Boykottkampagnen gegen Israel oder äußern Verständnis dafür, dass Wladimir Putin seinem Land eine geopolitische Einflusssphäre über dessen Grenzen hinaus zumisst. Alles AfD-kompatibel. Einer dieser Leute sagte mir: "Man muss sich auch mal die Hände schmutzig machen, wenn man den Rechten Stimmen wegnehmen will."

Minderheiten in der Partei, höre ich. Mal sehen, was die Mehrheit denkt, die das Parteiprogramm beschlossen hat. Ich lese: "Die Staaten und die Weltgesellschaft bleiben Geisel der Vermögensbesitzer und Spekulanten." Hallo Oskar.

Und sonst so? "Wir fordern die Auflösung der Nato und ihre Ersetzung durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Beteiligung Russlands." Moment – unter welchen Voraussetzungen? Mit einem Russland, wie es sich derzeit verhält? Über dessen Politik steht nichts im Programm, kein Anflug von Kritik.

Vielleicht liegt es daran, dass die Linke nicht nur materielle, sondern auch ideelle Güter von der SED übernommen hat. Apropos. Die DDR erscheint im Programm als ein leider missglückter "Sozialismusversuch", in dem zwar Stalinismus, aber auch "ein hohes Maß an sozialer Chancengleichheit im Bildungs- und Gesundheitswesen und in der Kultur" geherrscht habe. In diesem Zusammenhang ist erhellend, dass im Programm zweimal von "demokratischer Kontrolle" der Medien die Rede ist – leider erfährt man nicht, was gemeint ist.

Es wäre gut, eine dezidiert linke Partei im Bundestag zu wissen. Aber nicht die.

Gero von Randow